{"id":957,"date":"2022-01-18T09:03:01","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/nothingstoseeness-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:45","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:45","slug":"ferdinand-hodler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/ferdinand-hodler\/","title":{"rendered":"Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne, Berlinische Galerie"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Die symbolistischen und ausdrucksstarken Figurenbilder, Portr\u00e4ts, See- und Berglandschaften drehen sich rund um die Besinnung, das Empfinden von Gef\u00fchlen und die Verbundenheit des Menschen zur Natur.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der Symbolist Ferdinand Hodler wurde 1853 als \u00e4ltestes von sechs Kindern in Bern geboren und musste sich bereits fr\u00fch mit dem Tod auseinandersetzen. Seine Kindheit und Jugend wurden gepr\u00e4gt von den fr\u00fchen und tragischen Verlusten der Eltern und Geschwister. In sp\u00e4teren Werken greift Hodler das Thema Tod wieder auf. Er studiert ab 1872 an der Genfer Kunsthochschule und erweckt in den Folgejahren immer mehr Aufmerksamkeit. Sein Gem\u00e4lde \u201eDie Nacht\u201c (1889-1890) st\u00f6\u00dft zun\u00e4chst in Genf aufgrund der als anst\u00f6\u00dfig empfundenen naturalistischen Darstellungen von nackten K\u00f6rpern auf Abwehr, wird jedoch ein paar Jahre sp\u00e4ter in Hodlers erster Ausstellung in Berlin gezeigt. Es folgen die Mitgliedschaft in der Berliner Secession und weitere Ausstellungen im Berliner Raum, die ihn international bekannt machen. Ferdinand Hodler stirbt 1918 in Genf. Im Laufe seines Lebens entwickelt und ver\u00e4ndert sich seine Malerei und als Wegbereiter der Moderne ist er auch heute noch f\u00fcr seinen von ihm erfunden Stil bekannt, den<em>\u00a0Parallelismus<\/em>. Der Begriff bezeichnet die rhythmische Aneinanderreihung von \u00e4hnlichen Figuren in unterschiedlichen Haltungen und Posen sowie von Elementen in Landschaften.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern und mit Hilfe von Leihgaben privater Sammlungen und \u00f6ffentlicher Museen stellt die Berlinische Galerie Hodlers Entwicklung und seinen Erfolgsweg in Berlin aus und setzt in vier R\u00e4umen 48 Werke, darunter auch Schl\u00fcsselwerke des Schweizers, gekonnt in Beziehung zueinander.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Klug hat die Kuratorin Stefanie Heckmann und ihr Team die Ausstellung \u00fcber Hodler aufgebaut: Die Besucher*innen werden mit einem kurzen Infotext in die Ausstellung eingef\u00fchrt und erhalten nach Wunsch einen kostenfreien Audioguide in deutscher und englischer Sprache, der zu den einzelnen Werken weiterf\u00fchrende Informationen anbietet. Diese Audiobeitr\u00e4ge und Abbildungen der besprochenen Malereien sind auch per Smartphone abrufbar. Der Treffpunkt f\u00fcr F\u00fchrungen befindet sich gut zu finden ebenfalls an der Einf\u00fchrungswand.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Besuchenden k\u00f6nnen sich nun entscheiden, rechts bei Hodlers Fr\u00fchwerken zu beginnen oder links beim sp\u00e4ten Hauptwerk. Dem Audioguide folgend f\u00e4ngt der Rundgang in Raum 1 an:\u00a0<em>Hodlers k\u00fcnstlerische Anf\u00e4nge<\/em>. In den abwechselnd angeordneten kleineren und gr\u00f6\u00dferen Portr\u00e4ts und Landschaften ist teilweise noch der Einfluss der akademischen Lehre zu erkennen, in anderen l\u00e4sst sich Hodlers sp\u00e4terer Stil schon erahnen. Von der runden Sitzm\u00f6glichkeit in der Mitte gef\u00fchrt, bewegen sich die Besucher*innen in einem Kreis durch den quadratischen Raum. Die moosgr\u00fcne Wandfarbe ist abgestimmt auf die gr\u00fcnen Farbt\u00f6ne in den gezeigten Werken und unterst\u00fctzt den Naturbezug des K\u00fcnstlers. Einheitlich in der gesamten Ausstellung befindet sich jeweils eine gut leserliche wei\u00dfe Texttafel mit den Daten neben dem Gem\u00e4lde. Neben einigen Werken h\u00e4ngen ebenfalls kleinere hilfreiche Infotexte und die Angabe \u00fcber die Leihgabe. F\u00fcr Besucher*innen mit eingeschr\u00e4nktem Sehverm\u00f6gen liegt im Eingangsbereich eine Mappe mit den Ausstellungstexten zur Verf\u00fcgung.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Wirkt im ersten Raum die zentrierte Beleuchtung auf die einzelnen Werke aufgrund der gr\u00fcnen Wandfarbe etwas zu dunkel, so werden die Besuchenden im n\u00e4chsten Raum hell und offen empfangen. Auch hier wurde die hellgraue Wandfarbe farblich abgestimmt auf die zu sehenden Malereien. Zun\u00e4chst verwirrend, vereint der Raum Gem\u00e4lde des Schweizers mit Skulpturen und Bildern Berliner K\u00fcnstler*innen, die zur gleichen Zeit wie Hodler in der Berliner Secession ausgestellt haben. Darunter befindet sich auch die Kalksteinskulptur \u201eSitzendes Weib\u201c (1904) von Georg Kolbe, die eine von Gef\u00fchlen ergriffene Frau darstellt. Ein \u00e4hnlicher Gef\u00fchlszustand kann in Hodlers Gem\u00e4lde \u201eDie Empfindung\u201c von 1909 schr\u00e4g gegen\u00fcber wahrgenommen werden. Die thematische Gemeinsamkeit der Empfindsamkeit verbindet diese Exponate. Durch die hellblaue eingezogene Wand in der Mitte des Raumes f\u00e4llt der Blick schnell auf diese Malerei. Sie zeigt vier mit blauen T\u00fcchern halb bedeckte, einzeln schreitende Frauen, die ihre K\u00f6pfe leicht von den Beschauenden wegwenden. Hodler betont die Individualit\u00e4t der Frauen, die jedoch gleicherma\u00dfen ihre Arme anwinkeln und die H\u00e4nde zur Brust f\u00fchren, da sie von der gleichen inneren Empfindung ergriffen sind. In Verbindung mit den Skulpturen werden hier Hodlers Auseinandersetzungen mit den Bewegungen des K\u00f6rpers beim F\u00fchlen und auch Ans\u00e4tze seines sp\u00e4teren Stils, dem\u00a0<em>Parallelismus<\/em>, deutlich. Auch sein Gem\u00e4lde \u201eFr\u00f6hliches Weib\u201c, welches den Flyer der Ausstellung ziert, kann hier betrachtet werden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im dritten Raum, dem \u201ePortr\u00e4traum\u201c, kann das Publikum einige Frauen- und M\u00e4nnerportr\u00e4ts, die Hodler im Laufe seines Lebens anfertigte, genauer anschauen. Darunter h\u00e4ngen auch kleinformatigen Bildnisse seiner verstorbenen Liebschaften und Ehefrauen, die sich nebeneinander reihen und so eindrucksvolle Studien in Mimik und Gestik sowie des Malers Umgang mit Krankheit und Tod zeigen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Raum 4 pr\u00e4sentiert zwei der bekanntesten Werke des Schweizer K\u00fcnstlers. Die gro\u00dfformatigen Malereien \u201eDer Tag\u201c (1899-1900) und \u201eDie Nacht\u201c (1889-1890) h\u00e4ngen sich, dem inhaltlichen Gegensatz entsprechend, jeweils am Raumende gegen\u00fcber. Dominant und auffallend bestimmen die beiden Gem\u00e4lde die Blicke der Besucher*innen quer durch den Raum. Rechts neben dem Eingang h\u00e4ngt \u201eDer Tag\u201c: F\u00fcnf nackte Frauen sitzen im Halbkreis und begr\u00fc\u00dfen mit erhobenen Armen den Morgen. Kleine blaue Blumen schm\u00fccken den Boden und umkreisen die K\u00f6pfe der \u00e4u\u00dferen Frauen wie Heiligenscheine. Es sind Wegwarten, Blumen, die am Morgen erwachen und abends verbl\u00fchen. Der Audioguide gibt Hintergrundwissen und Hodlers Zusammenspiel von Mensch und Natur wird dem Betrachter erneut vor Augen gef\u00fchrt. Die heimatverbundenen Landschaftsmalereien vom Genfer See und den Bergen an der benachbarten Wand gehen zun\u00e4chst unter, sind jedoch ebenfalls beliebte Motive bei den Besucher*innen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im Innenraum der Berlinischen Galerie wird die Biografie Ferdinand Hodlers pr\u00e4sentiert. Ungest\u00f6rt kann das Publikum die Ausstellung abschlie\u00dfen, oder auch beginnen, mit Hodlers Leben und einer hilfreichen Zusammenfassung seiner bekanntesten Ausstellungen im Berliner Raum. Treppen f\u00fchren zur Dauerausstellung des Museums, deren Besuch im Eintrittspreis enthalten ist.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">F\u00fcr knapp 35\u20ac kann ein Ausstellungskatalog im Museumsshop erworben werden. Er beinhaltet gro\u00dfe Abbildungen der Werke und weitere Informationen \u00fcber Hodler und die Ausstellung. Auf der Internetseite der Berlinischen Galerie kann noch nachtr\u00e4glich der Audioguide angeh\u00f6rt werden und auch ein virtueller Rundgang steht zur Verf\u00fcgung, um in Erinnerung an den Besuch zu schwelgen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mit Liebe zum Detail l\u00e4sst das Kurator*innenteam Ferdinand Hodlers unverwechselbare Bildsprache sprechen und verdeutlicht verst\u00e4ndlich die Bedeutung Berlins f\u00fcr seinen Erfolg. W\u00e4hrend seiner Lebensphase in dieser Stadt verhalfen ihm zahlreiche Ausstellungen, international bekannt zu werden. Lebensnahe Themen wie Gef\u00fchle, die Frage nach der Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie die Gegenwart des Todes begleiten die Betrachtenden in der Ausstellung und regen auch nach dem Besuch zum Nachdenken an.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><em>Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne<br \/><\/em>10.09.2021-17.01.2022<br \/>Berlinische Galerie. Landesmuseum f\u00fcr Moderne Kunst, Fotografie und Architektur<br \/><span>Alte Jakobstra\u00dfe 124-128<br \/>10969 Berlin<\/span>\u00a0 <br \/>Mi-Mo 10-18 Uhr<br \/><br \/>www.berlinischegalerie.de<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-fr","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":957,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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