{"id":999,"date":"2022-01-19T15:05:12","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/ferdinand-hodler-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:54","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:54","slug":"peter-miller-dear-photography-c-o-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/peter-miller-dear-photography-c-o-berlin\/","title":{"rendered":"Peter Miller \u2013 Dear Photography, C\/O Berlin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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class=\\\"_Default\\\" style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">Burnt Hole Sun VIII, 2016 . Courtesy Galerie Crone Berlin\/Wien \u00a9 Peter Miller. VG-Bildkunst, Bonn 2021<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 9,\r\n      \"colspan\": 4,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 0,\r\n      \"relid\": 987\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Als wir den ersten Raum der Ausstellung \u201eDear Photography\u201c im oberen Geschoss des C\/O Berlin betreten, finden wir uns zwischen bunten Farben und rasant schnell wechselnden Bildern wieder. Bei einigen der hier zu sehenden Werke k\u00f6nnte man sich beinahe fragen, was diese \u00fcberhaupt mit dem Thema Fotografie zu tun haben, da die Verbindung hierzu auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Werke des amerikanischen K\u00fcnstlers Peter Miller, die in dieser Ausstellung vom 11.09. bis zum 03.12.2021 zu sehen sind, vermitteln eine ganz unkonventionelle Art, die Welt durch eine Fotolinse zu betrachten. Gleich zu Beginn wird in dem zweiseitiges Begleitheft betont, dass sich in vielen von Millers ausgestellten Werken sein Kindheitswunsch, ein Zauberer sein zu k\u00f6nnen noch immer bemerkbar macht. Hierbei setzt sich Miller mit der Geschichte der technischen Medien und deren Bausteine, wie zum Beispiel Licht und Chemie auseinander.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Miller lebt mittlerweile in Essen und Paris, w\u00e4hrend seine Werke auch international ausgestellt werden. Er nutzt im Gegensatz zu den meisten anderen Fotografen seiner Zeit eine analoge Kamera. Neben seiner Fotografien gestaltet Miller auch Skulpturen und Installationen.<a name=\\\"_ftnref1\\\" href=\\\"#_ftn1\\\">[1]<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Besonders auff\u00e4llig begegnen einem zu Beginn der Ausstellung Fotografien von Sonnenunterg\u00e4ngen in schwarz-wei\u00df, die Miller fotografierte. An dem Platz der hier vermeintlichen Sonne ist ein Loch auf den Postkarten zu sehen. Bei genauerem Hinsehen ist schnell zu erkennen, dass es sich um ein Brandloch handelt: Miller stellt hier eine Analogie zwischen einer Fotolinse und der Sonne her. Fotolinsen k\u00f6nnen, wie in dem Begleitheft erkl\u00e4rt, Licht b\u00fcndeln und somit die Energiedichte des Lichtes so weit erh\u00f6ren, dass Papier verbrannt werden kann.<a name=\\\"_ftnref2\\\" href=\\\"#_ftn2\\\">[2]<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Auf einer anderen Wand des Raumes bilden schnell wechselnde, bunte Bilder weiterer Sonnenunterg\u00e4nge ab: gegen\u00fcber steht eine Kamera im Raum, die den Film f\u00fcr diese Bildern abspielt. Hinter diesem Ausstellungsst\u00fcck steckt ein weiters technisches Ph\u00e4nomen, auf das Miller anspielen will. Miller benutzte ca. 10.000 Fotos eines Sonnenuntergangs aus dem Internet und ordnete diese so an, dass die Abfolge dieser Bilder beim Abspielen f\u00fcr das menschlichen Auge wie ein einheitlicher Film wirken. Die Zuschauer*innen nehmen die zusammengesetzten Fotos (diesen vermeintlichen Film) dennoch als einzelne, schnell hintereinander ablaufende Fotos war, sodass der sogenannte Flicker-Effekt entsteht, da der Wechsel zwischen den Bildern nicht kurz genug ist, um f\u00fcr die Betrachter*innen eine Scheinbewegung darzustellen. <a name=\\\"_ftnref3\\\" href=\\\"#_ftn3\\\">[3]<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Doch die Ausstellung h\u00e4lt nicht nur interessante Werke zu technischen Effekten bereit. In einem weiteren Teil der Ausstellung wird ein von Miller ver\u00e4nderter Fotoautomat pr\u00e4sentiert, dessen Linse sich mehrfach spiegelt und so ein Foto von einem au\u00dfenliegenden Bereich schie\u00dft. Die Zuschauer*innen k\u00f6nnen hier Teil eines Werks von Miller werden, indem sie den Fotoautomat bet\u00e4tigen und sich innerhalb des markierten Feldes fotografieren lassen.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">In den folgenden R\u00e4umen der Ausstellung sind weitere Kunstwerke zu sehen, die meistens auf ihre Art und Weise das Produkt einer etwas ausgefallenen Fototechnik sind. Oft l\u00e4sst Miller einen entscheidenden Schritt bei der Entwicklung von Fotos einfach weg oder experimentiert mit diesem.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Einige Motive, die Miller mehrfach in seine Fotografie aufnimmt, findet man an verschiedenen Stellen der Ausstellung wieder. Beispielsweise spielt Miller in verschiedenen, hier ausgestellten Fotografien auf ein \u00e4lteres Werk von Muybridge an, in dem der Bewegungsablauf eines Pferdes fotografiert wurde. Miller bezieht sich hier auf die Relevanz dieses Werkes f\u00fcr die Foto- und Mediengeschichte, welches wichtige Impulse f\u00fcr die Entwicklung des Bewegtbildes lieferte. Millers Referenzen zu verschiedenen bedeutenden Werken der Vergangenheit k\u00f6nnen als Liebesbrief an die Fotografie(-geschichte) verstanden werden: passend zu dem Ausstellungstitel \u201cDear Photography\u201d.<a name=\\\"_ftnref4\\\" href=\\\"#_ftn4\\\">[4]<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Millers Werke werden in einem schlichten Umfeld pr\u00e4sentiert. Neutrale Farben an Wand und Boden im Zusammenspiel mit einem relativ hellen Licht sorgen daf\u00fcr, dass der Fokus vollkommen auf den Exponaten liegt. Auch unter den Werken ist keine ausschweifende Beschreibung von Millers Werken, sondern nur der Name dessen zu sehen.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Da die abstrakten Formen der Fotografie, die pr\u00e4sentiert werden, nicht gerade selbsterkl\u00e4rend sind, begleitet der kleine, faltbare Katalog die Besucher*innen durch die Ausstellungen, in dem er zu jedem Ausstellungsst\u00fcck eine knapp formulierte Erkl\u00e4rung bereith\u00e4lt. M\u00f6chte man die Werke ohne weitere Informationen auf sich wirken lassen und den gro\u00dfen Interpretationsspielraum nutzen, ist auch dies m\u00f6glich, in dem man den Katalog weglegt.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Eine Besonderheit stellt au\u00dferdem eine Erweiterung des \u201enormalen\u201c Ausstellungskataloges da. Explizit f\u00fcr Kinder wurde ein kreativer Katalog mit Millers Werken zu Fantasielandschaften ausgegeben, der zum selbst experimentieren anregen soll. <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Trotz dieses abwechslungsreichen Angebots waren keine anderen Besucher*innen in der Ausstellung aufzufinden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Abschlie\u00dfend betrachtet ist die \u00fcbersichtliche Ausstellung mit 28 St\u00fccken eine M\u00f6glichkeit, die Fotografie aus neuen Perspektiven zu sehen und regt zum Nachdenken \u00fcber konventionelle Techniken an. Durch diesen besonderen Reiz ist ein Besuch dieser Ausstellung mit Sicherheit nie langweilig. <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Als ich pers\u00f6nlich am Ende der Ausstellung angelangt bin, begegnet mir ein Einleitungstext zu Millers Leben und Werken. In diesem Moment wird mir klar, dass wir die Ausstellung genau in der entgegengesetzten Reihenfolge, also \u201efalschherum\u201c gefolgt sein m\u00fcssen. Da die Werke jedoch einzeln f\u00fcr sich wirken und nur der Einleitungstext auf den \u201eBeginn\u201c der Ausstellung hinweist, ist dies wohl kein Problem gewesen, sondern nur die Er\u00f6ffnung einer weiteren, neuen Perspektive.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_ftn1\\\" href=\\\"#_ftnref1\\\">[1]<\/a> Vgl. Sch\u00f6negg, Kathrin: Dear Photography. In: Sch\u00f6negg, Kathrin (Hg.): Dear Photography. Peter Miller. Werkbeschreibungen. Ausst.-Katalog, Berlin, 11.09.-03.02.2021, S. 1.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_ftn2\\\" href=\\\"#_ftnref2\\\">[2]<\/a> Vgl. ebd., S. 1.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_ftn3\\\" href=\\\"#_ftnref3\\\">[3]<\/a> Vgl. Sch\u00f6negg, Kathrin: Dear Photography. In: Sch\u00f6negg, Kathrin (Hg.): Dear Photography. Peter Miller. Werkbeschreibungen. Ausst.-Katalog, Berlin, 11.09.-03.02.2021, S. 1.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_ftn4\\\" href=\\\"#_ftnref4\\\">[4]<\/a> Vgl. ebd., S. 1.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<div><p class=\\\"_Default\\\" style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Peter Miller \u2013 Dear Photography<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">11. Sep 2021\u20133. Dez 2021<\/span><\/p><p class=\\\"_Default\\\" style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">C\/O Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Amerika-Haus<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Hardenbergstra\u00dfe 22\u201324<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10623 Berlin<\/span><\/p><\/div><p class=\\\"_Default\\\" style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">https:\/\/co-berlin.org\/<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-g7","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":999,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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