II. Ethische Perspektive

Die Ethik der Ästhetik des Wettkampfsports.

In: Elk Franke (Hrsg.) Ethik im Sport (S. 91 – 107) Schorndorf 2011: Hofmann

Elk Franke

Ein wesentliches Merkmal des Menschen ist, dass er durch seine Handlungsmöglichkeiten zu Wahlentscheidungen gezwungen wird, die er in der Regel in sozialen Umwelten auch begründen muss. Die Ethik als Theorie von Moral bestimmt u.a. oberste Ziele und Zwecke im Sinne eines humanum. Bezogen auf den Sport ergibt sich daraus abgeleitet die Frage, ob man von einem allgemeinen Ethos der Sportler (im besonderen Handlungsfeld des Sports) oder von einer Ethik des Sports (bezogen auf die besondere Struktur des sportlichen Wettkampfes) ausgehen sollte .Im Text wird dazu eine Ethik der Ästhetik des Wettkampfsports skizziert.

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Moral der Gesellschaft – Moral des Sports ?

In: E. Franke(Hrsg.) Ethik im Sport (S. 165 – 175) Schorndorf 2011: Hofmann

Franz Bockrath

Zu den Paradoxien moralischer Urteile gehört die Unterscheidung zwischen – mit einer Formulierung von Max Scheler (1954) – „Sachverhalten und Wertverhalten“, durch die Seiendes und Geltendes voneinander getrennt werden. Im Sinne dieser Unterscheidung ist davon auszugehen, dass moralische Werte und Normen objektiv gelten, ohne jedoch zu existieren. Bezeichnet wird damit scheinbar objektiv Gegebenes, das in der Welt des existierenden Seienden gleichwohl nicht vorkommen soll. Innerhalb der ethischen Diskussion ist diese Begründungsfigur weit verbreitet, wie etwa die kanonisierte Ablehnung des so genannten „naturalistischen Fehlschlusses“ (Moore 1984) zeigt. Luhmann hält sich freilich nicht an diese klassische Unterscheidung und markiert dadurch einen blinden Fleck ethischer Denkungsart, wenn er behauptet: „Die Soziologie ist dagegen frei, auch Normen als Tatsachen zu behandeln – selbstverständlich als Tatsachen besonderer Art. Eine mögliche Konstruktion ist: Normen als Formeln für kontrafaktisches Erwarten aufzufassen, das heißt: für Verhaltenserwartungen, die sich durch faktisches Verhalten nicht irritieren lassen, sondern auch dann festgehalten werden, wenn sie enttäuscht werden.“ (Luhmann 2008). Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, welche möglichen Auswirkungen diese soziologische Selbstbeschreibung auf die Moraldiskussion im Sport hat.

Sport-Ethik und Werte-Differenzierung.

In: R. Mokrosch/A. Regenbogen (Hrsg.) Werteerziehung in der Schule. Ein Handbuch für Unterrichtende (S.261 – 267) Göttingen 2009: Vandenhoeck u. Rubrecht

Franz Bockrath

Als Albert Camus 1957 den Literaturnobelpreis erhielt, bat ihn die Zeitschrift „France Football“ um einen Artikel. Der Philosoph, Romancier und Fußballliebhaber übersandte dem Verlag schließlich einen Text, den er 1953 für die Verbandszeitung seiner algerischen Jugendmannschaft „Racing Universitaire d’Alger“ (RUA) verfasst hatte. Darin findet sich der bemerkenswerte Satz: „Denn auch wenn mir die Welt in all den Jahren einiges geboten hat, alles, was ich schließlich am sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Sport, habe ich bei RUA gelernt.“ (Camus 2004) Der Fußball gab dem Kriegswaisen, der aus ärmsten Verhältnissen stammte, Gelegenheit, der Tristesse des Alltags zu entfliehen und zusammen mit den ebenfalls mittellosen Freunden unterschiedlichster Herkunft erste Erfahrungen körperlichen Könnens und praktizierter Solidarität zu sammeln. Später wird Camus sagen, diese Erfahrungen seien für ihn wie ein „Leim, der an der Seele haften bleibt“ (Camus 1989: 155). Vor dem Hintergrund dieses Beispiels biographisch prägender und moralisch relevanter Spielerfahrungen, wird im vorliegenden Beitrag gefragt, wodurch sich die performative Seite der Moralbildung auszeichnet. In diesem Zusammenhang wird der Begriff der „Negativen Moralität“ erläutert und auf sportbezogene Handlungsbedingungen angewendet. Im Anschluss hieran wird an das Konzept der „Werte – Differenzierung im Sport“ angeknüpft, das hinsichtlich seiner möglichen Bedeutung für moralische Lernprozesse erläutert wird.

Gibt es eine Werthaftigkeit des Sports? Zur ethischen Bedeutung sportlichen Handelns.

In: R. Mokrosch/E. Franke (Hrsg.) Wertethik und Werterziehung (S. 197 – 230) Göttingen 2004: Vandenhoeck u. Rubrecht

Franz Bockrath/Elk Franke

Die Frage, ob Gegenstände, Ereignisse oder Handlungen bereits eine eigene Werthaftigkeit besitzen oder ihnen diese erst durch entsprechende Beurteilung zugesprochen wird, ist ein traditionsreiches Thema der Philosophie. Im folgenden Beitrag wird diese allgemeine philosophische Frage auf das Handeln im Sport in der zugespitzten Form bezogen: Folgt derjenige, der wettkampf-sportlich handelt auch einer impliziten spezifischen Moral oder stellt diese sog. „Moral des Sports“ nur ein Wertsystem dar, das gleichsam von „außen“ in einem Bewertungsakt den Handlungen zugeschrieben wird? Die beiden Autoren beziehen dazu unterschiedliche Positionen.

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Gerechtigkeit im Wettbewerb – Zur Sozialisation über Werte unter Konkurrenzbedingungen

In: R.Mokrosch /A. Regenbogen (Hrsg.) Was heißt Gerechtigkeit? – Ethische Perspektiven zu Erziehung, Politik und Religion (S.181 – 195) Donauwörth 1999: Auer

Franz Bockrath

Soziale Werte wie Gerechtigkeit und Fairneß zählen zu den grundsätzlichen Maßstäben bei der Bestimmung der Regeln des menschlichen Zusammenlebens. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, daß über ihre Bedeutung ganz unterschiedliche Auffassungen kursieren. Im folgenden sollen deshalb zunächst verschiedenartige Gerechtigkeitsvorstellungen skizziert werden (1). Die Frage, welches Gerechtigkeitsmodell für den Wettkampfsport – als Beispiel für eine konkurrenzbestimmte Sozialbeziehung – zutrifft, soll im Anschluß daran erörtert werden (2). Abschließend bleibt aufzuzeigen, in welcher Weise sich die einzelnen Akteure – zumindest implizit – an unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen orientieren, wenn sie unter kompetitiven Bedingungen handeln (3).

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Gerechtigkeit und Fair Play – oder wie der Wettkampfsport zum Modell wird

In: R. Mokrosch/ A. Regenbogen(Hrsg.) Was heißt Gerechtigkeit? Ethische Perspektiven zur Erziehung, Politik und Religion (S. 196 – 2014) Donauwörth 1999: Auer

Elk Franke

Wer versucht, die vielfältigen Veränderungen in der Gesellschaft der Bundesrepublik seit dem Ende der 60er Jahre angemessen darzustellen, läuft Gefahr, durch die Komplexität der Ereignisse erdrückt zu werden. Von den Produktionsabläufen, Kommunikationsstrukturen über Arbeits- und Freizeitmustern bis hin zu privaten Lebensentwürfen hat sich vieles verändert, was oft erst im Nachhinein wahrgenommen wird. Mit der vermehrten Dynamik, die diese Prozesse kennzeichnet, wächst nicht nur die Unsicherheit des Einzelnen sich im öffentlichen Leben falsch zu plazieren, auf Veränderungen nicht genügend vorbereitet zu sein, letztlich in metaphorischer Weise „zu spät zu kommen“, sondern es entsteht auch ein Bedarf an Orientierung und Überblickswissen, an „Wegweisern“, die es einem erlauben, jene vielfältigen Veränderungen zu klassifizieren und ggf. zu analysieren.

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Der moderne Sport: Utilitaristisch bestimmtes Handeln in einer deontologisch konstituierten Welt.

In: N. Ammermann et.al.(Hrsg.) Frieden als Glaube und Aufgabe – Beiträge zur theologischen Friedensforschung (S. 271 – 281) Göttingen 2005: Vandenhoeck u. Rubrecht

Elk Franke

Der Sport dient häufig als Beispiel in sogenannten moralischen Dilemmata. In der Regel wird dabei eine spezifische Werthaftigkeit sportlichen Handelns (Fair play etc.) unterstellt. Im Text wird gezeigt, dass im Moraldiskurs zum Sport inzwischen deutlicher unterschieden wird zwischen allgemeinen deontologischen Rechtfertigungsversuchen der sogenannten „Eigenwelt“ des Sports und einer utilitaristischen Handlungsmoral in konkreten wettkampfrelevanten Konfliktsituationen.

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Die ethische Herausforderung der ästhetischen Sonderwelt des Sports – für die Sportwissenschaft

In: C. Pawlenka (Hrsg.) Sportethik. Regeln – Fairneß – Doping (187 – 198). Paderborn 2004: mentis

Elk Franke           

Die Frage, ob Wissenschaftler nur eine Verantwortung für ihre Arbeit „im Labor“ tragen oder diese sich auch auf die Ergebnisse beziehen sollte, zu denen diese u.U. anschließend führen können, wird spätestens seit der Atomforschung anders beantwortet. Wissenschaft in der modernen Welt ist nicht nur für die wahrheitsrelevanten Voraussetzungen und den transparenten Ablauf ihrer Arbeit sondern auch für die Nachhaltigkeit ihres Tuns verantwortlich. Diese allgemeine wissenschaftsethische Erkenntnis sollte auch für die Sportwissenschaft gelten. Im Text wird skizziert, in wie weit hierzu Begründungen ausstehen und Handlungsbedarf besteht.

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Zur Berufsethik in der Sportmedizin

In: G. Dörneret.al. (Hrsg.) Menschenbilder in der Medizin – Medizin in den Menschenbildern (828-842) Bielefeld 1999: Klein

Elk Franke

Der moderne Sportbetrieb ist eng mit dem Begriff des Dopings verknüpft. Es vergeht fast keine Woche, in der nicht aus einer Sportart ein neuer Dopingfall berichtet wird. Bisher unklar ist in dem dann meist beginnenden Spiel aus Verdächtigung, Anklage und Nichtverantwortlichkeit, welche Rolle die Sportwissenschaft dabei spielt.

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Ethik und Bildung im Sport? Moralerziehung zwischen pädagogischen Ansprüchen und Möglichkeiten

In: R. Prohl (Hrsg.) Bildung und Bewegung (S. 78 – 85) Hambur 2001: Czwalina

Franz Bockrath

Ethische Fragestellungen beschäftigen insbesondere die Geistes- und Sozialwissenschaften in zunehmender Weise. Dies mag als Hinweis auf einen Überhang ungelöster Probleme in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens gedeutet werden, von denen der Sport nur einen kleinen Ausschnitt repräsentiert. Von der Sportpädagogik wird erwartet, daß sie Antworten auf Problemstellungen wie etwa die steigende Konkurrenzorientierung und Gewaltbereitschaft in diesem besonderen Lebensbereich zu geben vermag. Sie soll, so die populäre Auffassung, Rezepte zur Verfügung stellen, die eine Moralerziehung auch im Sport gewährleisten. Dabei ist nicht einmal geklärt, welche pädagogischen Modelle überhaupt geeignet sind, um diesen Ansprüchen zu genügen.

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Fairness-Erziehung im Sport – empirisch gesehen

In: Bundesinstitut für Sportwissenschaft (Hrsg.) Gibt es eine Ethik des olympischen Sports? (S. 75-90) Köln 2001: Strauß

Franz Bockrath

In diesem Beitrag ist beabsichtigt, die bereits in der Überschrift genannten Themenbereiche in der folgenden Weise anzusprechen: Zunächst soll der Begriff Fairneß vor dem Hintergrund unterschiedlicher Gerechtigkeitsvorstellungen erörtert werden (1). Im Anschluß daran sollen die strukturellen Auswirkungen der sogenannten Eigen- oder Sonderweltlichkeit des Wettkampfsports auf die spezifische Bedeutung der Fairneßvorstellungen in diesem Lebensbereich aufgezeigt werden (2), bevor hierzu einige Ergebnisse zweier empirischer Untersuchungen vorgestellt werden (3). Den Abschluß bildet die Frage nach der ethischen Relevanz von Sollensforderungen im Wettkampfsport und in der Sporterziehung (4).

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Die Verantwortung des Trainers zwischen technologischer Wissenschaft und leistungssportlicher Praxis.

In: E. Müller(Hrsg.) Aspekte zur Trainerethik im Leistungssport (S.8 – 28).Salzburg 2002.

Elk Franke

Am Beispiel des Skisports wird gezeigt, in welcher Weise die Technisierung des Geräts und die Wissenschaftlichkeit des Trainingsprogramms auch zur Veränderung der Trainerrolle und der sich daraus ergebenden Verantwortung führen kann. Mit dem Ergebnis: Der Trainer darf nicht nur dem Prinzip der Leistungsoptimierung folgen, sondern muss immer auch selbstkritisch überprüfen, ob die angestrebte Maximierung in seiner Sportart noch vertretbar ist oder u.U. im Sinne der Nachhaltigkeit menschlicher Leistungserbringung gestoppt werden muss

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Kinder im Hochleistungssport – eine ethische Herausforderung für die Sportwissenschaft

In: Humboldt spektrum(49) (S. 46-53) Berlin 1998: Humboldt Universität

Elk Franke

Im Disput um die Bedingungen des Kinderleistungssports ging es zu Beginn der 80er Jahre nur selten um den realen Trainingsalltag der Kinder, sondern eher um die prinzipiellen Möglichkeiten und Grenzen des modernen Leistungssports in Bezug auf verschiedene anthropologische Annahmen über das, was wir „Kindheit“ nennen. So forderte u.a. Jürgen Funke: „Schützt die Kinder ! Das was dort (gemeint ist der Kinderleistungssport) mit ihnen geschieht ist nicht das, was ich als richtiges Sporttreiben im Kindesalter akzeptieren kann. Ich empfehle dem Deutschen Sportbund den Mut aufzubringen, den Ausstieg aus dem Kinderleistungssport zu beschließen … Rekorde und Medaillen sind flüchtige Ware, frühes Kinderleid ein bleibendes Schicksal“.

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