IV.6.3 Þornbjörg, eigenmächtige Königstochter der ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘

Aus SPP 1173

Wechseln zu: Navigation, Suche


Mittelalter im Labor
Arbeitsforum: C.
<<<Vorherige Seite
IV.6.2 Zu den Gesetzen über gemischtreligiöse Sexualkontakte in den ‚Siete Partidas‘ Alfons’ des Weisen
Nächste Seite>>>
IV.6.4 Todeskampf, Coitus und weibliche Unterwerfung in zwei Versionen eines mittelbyzantinischen Liedes

Bitte zitieren Sie nach der Druckversion
ISBN 978-3-05-004373-9
Akademie Verlag

Bei Darstellungsproblemen und für die Teilnahme an der Diskussion beachten Sie bitte die Hinweise auf der Hilfe-Seite

Das folgende Textbeispiel entstammt der ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘ („Geschichte des Hrólfr Gautreksson“), die in ihrer schriftlichen Form im ausgehenden 13. oder beginnenden 14. Jahrhundert auf Island entstand.[429] Seit der Edition von Carl Christian Rafn wird sie dem Typ der isländischen Vorzeitsaga (Fornaldarsaga) zugerechnet.[430] Marianne Kalinke hingegen bezeichnet sie als Inbegriff der sogenannten Brautwerbungssaga (‚bridal-quest romance‘) und ordnet sie deshalb sowohl den Vorzeit- als auch Rittersagas (Riddarasögur) zu.[431] Die Handlung der ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘ wird von vier Brautwerbungsepisoden dominiert. Eine dieser Episoden, in der Hrólfr Gautreksson, der König von Götland und Held der Erzählung, um Þornbjörg, die Tochter des schwedischen Königs Eirekr, wirbt, soll Gegenstand der folgenden Untersuchung sein.[432]

Hún [Þornbjörg] var hverri konu vænni ok vitrari, þeira er menn vissu. Hún fæddist upp heima með feðr sínum ok móður. Svá hafa menn sagt af mey þessari, at hún var hverri konu kænni, þeiri er menn höfðu spurn af, um allt þat, er til kvenmanns handa kom. Þar með vandi hún sik burtreið ok skilmast með skjöld ok sverð. Hún kunni þessa list jafnframt þeim riddurum, er kunnu vel ok kurteisliga at bera vápn sín. Eireki konungi líkaði eigi vel, er hún hafði þessa framferð sem karlar, ok bað hana hafa skemmusetu sem aðrar konungadætr.[433]

„Sie [Þornbjörg] war schöner und weiser als alle Frauen, von denen die Leute wussten. Sie wuchs zu Hause bei ihrem Vater und ihrer Mutter auf. So hat man von diesem Mädchen gesagt, dass sie tüchtiger war als alle Frauen, von denen die Leute gehört hatten, in all dem, was für eine Frau nützlich war. Dazu übte sie sich im Turnier und im Umgang mit Schild und Schwert. Sie beherrschte diese Fertigkeit ebenso wie die Ritter, die gut und gewandt ihre Waffen führen konnten. König Eirekr missfiel, dass sie dieses Verhalten wie Männer hatte, und befahl ihr, sich wie andere Königstöchter in einem Frauengemach aufzuhalten.“[434]

Als „einziges Kind“ (einberni) ihrer Eltern und somit auch alleinige Erbin der gesamten königlichen Hinterlassenschaft fordert Þornbjörg schon zu Lebzeiten Eireks einen Anteil am Reich und eigene Gefolgschaft. Außerdem offenbart sie ihrem Vater, dass sie nicht bereit sei, einen Mann gegen ihren Willen zu heiraten[435] und beansprucht daher unter Gewaltandrohung das Recht, derartige Entscheidungen selbst fällen zu dürfen.[436] Aus Angst vor eventuellem „Unfrieden“ (ónáðir) kommt Eirekr ihrem Wunsch nach. Þornbjörg lässt sich zum König über ein Drittel des Königreiches wählen, gibt sich den Männernamen Þórbergr und droht denjenigen, die sie „Mädchen“ (mey) oder „Frau“ (kon[a]) nennen, „harte Strafe“ (h[örð] refsing) an. Dementsprechend wird berichtet, dass Þornbjörg alle Bewerber ablehnt, indem sie sie verspottet oder sogar verstümmelt.[437] Hrólfr Gautreksson hat jedoch schließlich Erfolg mit seiner Brautwerbung. Er besiegt die Königstochter im Kampf, zwingt sie zur Aufgabe und Ablegung der Waffen[438] und verlangt von ihr, die Vormundschaft (forráð)[439] ihres Vaters zu akzeptieren. Sie willigt ein und reist zu ihrem Vater, dem sie Folgendes mitteilt:

Minn kæri faðir, ek em orðinn farflótta ríkis þess, er þér gáfuð í mitt vald, ok sökum þess at ek varð yfirunnin af sterkum bardagamönnum, þá bið ek, at þér gerið þat ráð fyrir mína hönd, sem yðr er nú mest at skapi.“ Konungr mælti: „Gjarna viljum vér, at þú hættir styrjöld þessi, ok viljum vér, attu takir upp kvenligar atferðir ok farir í skemmu til móður þinnar. Síðan viljum vér gifta þik Hrólfi konungi Gautrekssyni, því at vér vitum enga hans jafningja hingat á Norðrlönd.“ (…) Eftir þat gekk hún til skemmu, en gaf í vald Eireki konungi vápn þau, er hún hafði borit. Settist hún til sauma með móður sinni, ok var hún hverri mey fegri ok fríðari ok kurteisari, svá at engi fannst jafnfríð í norðrálfu heimsins.[440]

„,Mein teurer Vater, ich bin zur Flucht aus dem Reich genötigt worden, das Ihr in meine Gewalt gabt, und deswegen, weil ich von starken Kriegern besiegt wurde, daher bitte ich, dass Ihr an meiner Stelle die Entscheidung trefft, die euch jetzt am meisten gefällt.’ Der König sagte: ‚Wir wollen gerne, dass du mit diesem Kämpfen aufhörst, und wir wollen, dass du weibliche Verhaltensweisen annimmst und in das Frauengemach zu deiner Mutter gehst. Dann wollen wir dich mit König Hrólfr Gautreksson verheiraten, weil wir keinen seinesgleichen kennen hier im Nordland.‘ (…) Danach ging sie zum Frauengemach, und gab die Waffen, die sie getragen hatte, in die Gewalt von König Eirekr. Sie begann, zusammen mit ihrer Mutter zu nähen, und sie war gefälliger, ansehnlicher und feingesitteter als jedes Mädchen, sodass sich in der nördlichen Hälfte der Welt keine fand, die ebenso schön war.“

Jetzt verhandeln Eirekr und Hrólfr die Konditionen der Eheschließung und es kommt zur Hochzeit zwischen dem König von Götland und der Tochter des Schwedenkönigs.

Ausgangspunkt der Erzählung über die jungfräuliche Kriegerkönigin Þornbjörg ist eine rechtliche Ausnahmesituation.[441] Gemäß der ‚Grágás‘ (dt. „Graugans“), dem Gesamtcorpus des isländischen Rechts der sogenannten freistaatlichen Zeit (930–1264), fiel das elterliche Erbe im Normalfall dem „frei geborenen“ und „erbfähigen“ Sohn zu. Fehlte dieser, sollte die Tochter es erhalten.[442] Nach Carol J. Clover fungierten allein erbende Töchter in solchen Situationen nicht als Frauen, sondern als Ersatzsöhne.[443] In dieser Funktion behielt die Tochter die Verfügungsgewalt über den familiären Besitz aber nur so lange, bis sie verheiratet wurde.[444] Danach ging der Besitz in die Verwaltung des Ehemannes über.[445] Einen grundlegenden Einfluss auf den Akt der Eheschließung sollte die Tochter jedoch nicht haben. Ihre Verheiratung war nach den Bestimmungen der ‚Grágás‘ vorrangig Sache des Vaters.[446] Widersetzte sich die Tochter der Vermählung durch den Vater oder andere, meist männliche Familienmitglieder, konnte sie ihren Erbanspruch verlieren.[447]

Von einem solchen erbrechtlichen Sonderfall erzählt die ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘. Þornbjörg übernimmt als Einzelkind und Alleinerbin des königlichen Erbes die Rolle eines Ersatzsohnes, weshalb der Verfasser der Saga sie schon in frühen Jahren neben weiblichen auch typisch männliche Fertigkeiten wie Waffenfähigkeit und Turnierkampf erlernen lässt.[448] Das maskuline Verhalten (framferð sem karlar) seiner Tochter „missf[ällt]“ (líkaði eigi vel) dem König zwar, wird von ihm jedoch aufgrund der genealogischen Ausnahmesituation zumindest so lange als unumgänglich akzeptiert, bis sie verheiratet werden kann. Als Þornbjörg aber eine Verheiratung durch den Vater oder andere Familienmitglieder ablehnt und für sich das Recht in Anspruch nimmt, über Annahme oder Ablehnung potentieller Bewerber selbst zu bestimmen, empfindet Eirekr dies als „große Anmaßung“ (mikit ofbeldi).[449]

Hier wird eine Problematik thematisiert, die im Island des 13. Jahrhunderts Teil eines öffentlichen Diskurses war: Sollte für die Rechtsgültigkeit einer Eheschließung die familienbestimmte Verheiratung oder der Konsens der Partner ausschlaggebend sein? Vor allem darüber, welchen Einfluss die Einwilligung (jákvæði, jáyrði) der Braut auf die Konstituierung einer Ehe haben sollte, herrschte zwischen Vertretern der geistlichen und der weltlichen Gesetzgebung Uneinigkeit.[450] Der Sagaautor vertritt die weltliche Ansicht, dass sich die zu verheiratende Tochter dem Willen des Vaters unterzuordnen habe. Diese Auffassung äußert sich darin, dass er die Entscheidungsgewalt in Ehefragen mit der als vornehmlich männliches Merkmal verstandenen Waffengewalt gleichsetzt. Die Waffengewalt, die Þornbjörg in frühen Jahren ausübt, ist äußeres Zeichen ihrer genealogisch bedingten Funktion als Ersatzsohn und daher rechtlich legitimiert. Sie gilt als unweibliches, aber dennoch bedingt tolerierbares Verhalten. Die Aneignung ehelicher Entscheidungsgewalt, die sich darin äußert, dass Þornbjörg Bewerber mittels Waffengewalt abwehrt und teilweise sogar verstümmelt, versteht der Sagaverfasser hingegen als Anmaßung und somit als Unrecht. Daher sind die sozial etablierten Rollenverhältnisse und gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen seiner Ansicht nach erst in dem Moment wieder hergestellt, als Þornbjörg ihre Waffen und damit auch die Verfügungsgewalt über ihre Verheiratung an den Vater übergibt, der seine Tochter an ihren Bezwinger verheiratet.[451] Ebenso wie Frauen laut der isländischen Rechtssammlung ‚Grágás‘ der Umgang mit Waffen untersagt wurde,[452] sollte die Entscheidungskompetenz in Eheangelegenheiten nicht der Tochter, sondern männlichen Familienmitgliedern – insbesondere dem Vater – vorbehalten bleiben.[453]

Indem er die Erzählung in der sogenannten Vorzeit (fornöld) Skandinaviens verortet, postuliert der Verfasser der ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘ für die von ihm propagierte Form der familienbestimmten Eheschließung eine lange, noch in vorchristlicher Zeit begründete Tradition.[454] Durch diesen Bezug auf scheinbar traditionell begründete Rechtsgewohnheiten versucht er, die eigenen Vorstellungen zu legitimieren und das kirchlich geforderte und vermeintlich fremde Prinzip der Konsensehe abzulehnen.[455]

Heiko Hiltmann



  1. Tulinius, Sagas (2005), 458; Pálsson, Hrólfs saga (1985).
  2. Die ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘ erschien neben anderen Vorzeitsagas in: Fornaldar sögur Norðrlanda eptir gömlum handritum. Ed. Rafn. Bei den Fornaldarsögur handelt es sich um altisländische Erzählungen über die skandinavische Vorzeit (fornöld). Damit ist der Zeitraum vor der Besiedlung Islands in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts gemeint. Geografisch reichen sie aber oft auch über die Grenzen des mittelalterlichen Skandinavien hinaus. In der Forschung herrscht Konsens darüber, dass die ältesten der tradierten Vorzeitsagas um die Mitte des 13. Jahrhunderts oder wenig später aufgezeichnet wurden. Über Anfang und Alter möglicher mündlicher Ursprünge lässt sich wenig sagen.
  3. Kalinke, Bridal-Quest (1990), 25–65; Dies., Norse (1985), 328. Vgl. Tulinius, Sagas (2005), 457f. Es sind zwei Typen der Riddarasögur zu unterscheiden, die übersetzten und die originalen. Erstere sind Übersetzungen bzw. Übertragungen außerskandinavischer Werke der höfischen Epik in altnordische Prosa, die überwiegend in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts am norwegischen Königshof entstanden. Bei Letzteren handelt es sich um innerskandinavische, nach dem Vorbild ausländischer Werke gestaltete Texte, die seit dem Ende des 13. Jahrhunderts auf Island abgefasst wurden und zumeist eine oder mehrere Brautwerbehandlungen zum Gegenstand haben.
  4. Die Brautwerbungsfahrten des Hrólfr Gautreksson sind in den Kapiteln 4–14 der gleichnamigen Saga beschrieben. Die angegebenen Textauszüge entstammen der Ausgabe von Hrólfs saga. Ed. Jónsson 4–14, 62–98. Zu anderen Ausgaben vgl. Kalinke, Norse (1985), 353. Zur handschriftlichen Überlieferung der Saga vgl. Detter, Einleitung (1891), V–XXXII.
  5. Hrólfs saga 4, 62f.
  6. Soweit nicht anders angegeben, stammt die Übersetzung im gesamten Kapitel vom Verfasser.
  7. Þornbjörg lehnt es ab, eine sogenannte nauðkván zu sein, was wörtlich übersetzt so viel wie „Ehefrau durch Zwang“ bzw. „Ehefrau gegen den eigenen Willen“ bedeutet.
  8. Hrólfs saga 4, 63: ef nokkurir menn biðja mín, sem ek vil ekki játa, þá er líkara, at ríki yðvart sé í náðum af þeira ofsa, ef ek held andsvör í móti þeim („wenn einige Männer um mich werben, denen ich nicht zustimmen will, da ist es wahrscheinlicher, dass euer Reich in Frieden bleibt vor ihrer Gewalt, wenn ich über die Entscheidung denen gegenüber verfüge“).
  9. Hrólfs saga 9, 80: Margir konungar hafa hennar beðit ok konunga synir. Hefir hún öllum frá vísat með hæðiligum orðum, suma hefir hún látit meiða („Viele Könige und Königssöhne haben um sie geworben. Sie hat alle mit schmählichen Worten abgewiesen, manche hat sie verstümmeln lassen“).
  10. Hrólfr ergreift Þornbjörg und sagt: „leg deine Waffen nieder, ihr seid jetzt in unserer Gewalt“ (legg vápn þín, þér eruð nú á váru valdi [Hrólfs saga 13, 95]).
  11. Der Begriff bedeutet so viel wie Vorherrschaft, Leitung, Herrschaft. In der Kombination forráð konu (wörtl. „Vorherrschaft über eine Frau“) impliziert er das Recht, eine Frau zu verheiraten. Daher kann er in diesem Kontext mit Vormundschaft übersetzt werden.
  12. Hrólfs saga 13, 96f.
  13. Die Figur der Þornbjörg vereinigt zwei Typen maskuliner Frauen, die in der mittelalterlichen Literatur Islands häufig thematisiert werden, den der Jungfrauenkriegerin (‚maiden warrior‘) und der Jungfrauenkönigin (‚maiden king‘). Zu den Termini ‚maiden king‘ (altnordisch meykóngr) und ‚maiden warrior‘ vgl. Wahlgren, Maiden (1938); Jochens, Images (1996), 97–103; Clover, Maiden (1986). Für beide Typen der Kriegerfrauen ist charakteristisch, dass es sich um noch jungfräuliche, unverheiratete Mädchen handelte, die sich im Übergang zum Erwachsenenalter befanden. Erst mit der Heirat und dem damit verbundenen Vollzug des Geschlechtsaktes verloren sie ihre Manneskraft, erhielten sie ihre geschlechtliche Identität und wurden zur Frau. Vgl. Jochens, Images (1996), 94. So berichtet die ‚Hrólfs saga Gautrekssonar‘, dass „König Hrólfr sich mit der Jungfrau [Þornbjörg] verlobt“ hat, nachdem er sie besiegt hatte (Hrólfr konungr fastnar júmfrúna [Hrólfs saga 14, 98]).
  14. Grágás I.118, 218: Sonr a arf at taca at föðor sin oc moðor frials borin oc arfgengr. Nu er eigi sonr til þa scal taca dottir („Der freigeborene und erbfähige Sohn soll das Erbe von seinem Vater und der Mutter nehmen. Ist jetzt aber kein Sohn vorhanden, da soll die Tochter [es] nehmen“). Die ‚Grágás‘ ist in zwei abweichenden Redaktionen tradiert, die beide in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren. Sie vereint in sich verschiedene Rechtsstoffe unterschiedlicher Altersstufen. Über das genaue Alter einzelner Bestimmungen herrscht in der Forschung jedoch ebenso Unklarheit wie über die Frage nach der tatsächlichen Rechtsgültigkeit der Gesetzessammlung zur Zeit ihrer Aufzeichnung. Vgl. Naumann, Grágás (1998).
  15. „So powerful is the principle of male inheritance that when it necessarily passes through the female, she must become, in legend if not in life, a functional son“ (Clover, Maiden [1986], 39). Jenny Jochens bemerkt, dass nicht nur Alleinerbinnen eine männliche Funktion übernahmen, sondern dass Frauen im Falle der Abwesenheit erwachsener Männer allgemein als Ersatzmänner fungierten. Jochens, Images (1996), 101f.; Dies., Gender (1993), 51.
  16. Clover, Maiden (1986), 45–49; Jochens, Gender (1993), 52.
  17. So bestimmt es zumindest die isländische ‚Grágás‘ vgl. Grágás II.152, 44: Þar er samfarar hiona ero oc scal hann raða fyrir fe þeirra oc caúpom („Da wo Mann und Frau in ehelicher Gemeinschaft leben, soll er auch über ihren [gemeinsamen] Besitz und ihre [gemeinsamen] Geschäfte walten“).
  18. Grágás II.144, 29: er faþir fastnande dottor sinar („der Vater ist der Verlober seiner Tochter“). Zu der Vorstellung, dass es sich bei dem männlichen Privileg auf Verlobung von Frauen der eigenen Familie um eine ältere isländische Rechtsgewohnheit handelte, vgl. Jochens, Jákvæði (1993), 274–279.
  19. So heißt es in Jónsbók V.1, 71: En ef kona giptiz utan ráð föður síns, bróður eða móður, eða þess er giptingarmaðr er fyrir ráði hennar, hafi fyrirgert öllum örfum þeim er undir hana kunnu at falla þaðan frá, ok taki sá þann arf allan er næstr er erfðum („Aber wenn eine Frau sich ohne Rat ihres Vaters, Bruders oder der Mutter oder desjenigen, der der Verheirater für ihre Heirat ist, verlobt, soll sie all das Erbe verwirkt haben, welches ihr von da an zufallen kann, und der soll das ganze Erbe nehmen, der der nächste Erbberechtigte ist“). Die ‚Jónsbók‘ war das zweite norwegische Rechtsbuch, das nach der Angliederung Islands an das norwegische Königreich 1262 bis 1264 für den ehemaligen Freistaat entworfen wurde. Es wurde 1281 auf Island eingeführt und sollte das Freistaatsrecht ersetzen. Isländische Interessen wurden durch die Aufnahme zahlreicher Kapitel der ‚Grágás‘ in das neue Rechtsbuch berücksichtigt.
  20. Zur Annahme, dass das Tragen von und der Umgang mit Waffen in den Quellen des mittelalterlichen Skandinavien als genuin männliche Aufgaben betrachtet wurden, vgl. Jochens, Images (1996), 109–112.
  21. Hrólfs saga 9, 80.
  22. Zu Verlauf und Ausgang des Disputes und zu dessen Abhängigkeit von dem in Norwegen geführten Diskurs vgl. Jochens, Jákvæði (1993), 274–279.
  23. Kress, Taming (2002), 85: „the sagas show a great interest in bringing this wild woman into society, under its rules, order and control. (…) She takes on the woman’s role and becomes a man’s bride“. Als eine Art Zugeständnis an das kirchlich geforderte Zustimmungsrecht der Braut betont die Saga, dass trotz fehlender Zustimmung Þornbjörgs „zwischen ihnen eine gute Liebe entstand“ (takast með þeim góðar ástir [Hrólfs saga 14, 98]).
  24. Grágás II.254, 203f.: Ef kona klæðiz karl klæðom eþa scer ser scavr eþa fer með vápn fyrir breytni sacir. þat varðar fiorbaugs garð („Wenn eine Frau sich in Männerkleidung kleidet oder sich den Haarschopf schneidet oder aufgrund von abnormem Verhalten Waffen mit sich führt, steht darauf Lebensringzaun.“). Vgl. Anm. 401.
  25. Dementsprechend nennt die ‚Grágás‘ als einzige Ausnahme von dem männlichen Privileg der Verheiratung die Mutter, die unter bestimmten Umständen ebenfalls über die Heirat der Tochter verfügen durfte (Grágás II.144, 29).
  26. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass der Verfasser sich auf Rechtsgrundsätze der ‚Grágás‘ bezieht, die zumindest den Anspruch erhoben, freistaatliche und damit möglicherweise auch vorchristliche Ursprünge zu haben.
  27. Zum Konsens der Ehepartner vgl. Weber, Consensus (2001); Brundage, Law (1987), 235–278.
Persönliche Werkzeuge