Feministische Transphobie?

Sechs Antworten auf Radical Feminism & TERFs

Joanne K. Rowlings (54) Kriegszug gegen transgeschlechtliche Menschen begann bereits vor
zwei Jahren. Nach einer Reihe von sehr missverständlichen Tweets bezeichneten viele Fans und Kritiker*innen die berühmte Harry Potter Autorin Rowling als TERF = transexclusive radical feminist. Das sind selbsternannte Feminist*innen, die transgeschlechtliche Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen, biologischen Geschlechtes öffentlich diskriminieren. Für sie ist das Weiblichsein exklusiv für Cis-Frauen bestimmt. Ähnlich diskriminierende Tendenzen bemerken Rezipient*innen auch immer wieder bei Alice Schwarzer und in Artikeln ihres Magazins Emma.

Den folgenden Shitstorm ignorierte Rowling scheinbar, ihre Sprecher ließen mitteilen, dass sie sich nicht mehr äußern würde. Letzte Woche dann, in einem Post, der an ein Kind gerichtet war, fügte Rowling aus Versehen, wie sie später betonte, einen Satz ein. Darin ging es um den Fall einer transgeschlechtlichen Frau, die eine Feministin tätlich angegriffen hatte. In dem Satz wurde die Täterin als „er“ bezeichnet. Rowling entschuldigte sich später zwar dafür, den Satz aus Versehen kopiert und eingefügt zu haben, betonte aber, sie schäme sich nicht dafür, den Artikel gelesen zu haben.

Bestimmte Gruppierungen der TERFs plädieren neben dem Ausschuss von Trans Menschen auch für ein Kopftuch- und Burkaverbot. Das klinkt nach Gedankengut konservativen Ursprungs? Leider ist es wie so oft im Leben auch hier nicht ganz so einfach: TERFs finden sich nämlich nicht nur unter älteren Feminist*innen des „Second Wave Feminism“ oder „Oldschool-Feminismus“, sondern auch unter jungen Identitären. Die Grenzen sind hierbei stets grau und verlaufen eher entlang politischer Positionierungen als an Generationengrenzen.

Das Label exkludierender Radikalfeminismus bezeichnet in den USA nicht nur TERFs, sondern auch Anhänger*innen des Sex Work Exclusionary Radical Feminism, kurz SWERF. Dabei darf unter Radikalfeminismus keineswegs einfach als radikal praktizierter Feminismus verstanden werden — vielmehr ist er ein ungenauer Überbegriff für verschiedenste feministische Bewegungen. Nicht alle radikalfeministischen Theoretiker*innen und Aktivist*innen sind per se trans- und/oder Sexarbeiter*innen -feindlich; so bezeichnet man progressive Feminist*innen wie Angela Davids genauso als radical Feminist wie konservative, transphobe Feminist*innen wie die Universitätsprofessorin Janice Raymond.

Statt in diesem Beitrag nun aber den transfeindlichen Parolen Einzelner eine Plattform zu geben, wird folgend Ines* zu Wort kommen. Ines* identifiziert sich als Trans. Im Gespräch machten wir gemeinsam all jene (Schein-) Argumente ausfindig, mit denen sie sich in ihrer aktivistischen Arbeit am häufigsten von TERFS konfrontiert sieht.

Disclaimer: Das folgende Interview versucht nicht die Universal-Wahrheit und Meinung aller Trans Menschen abzubilden, sondern gibt die Erfahrungen und Überlegungen einer einzelnen Betroffenen wieder.

How to Dismantel TERF-Shit — Ein Interview

TERF: Eine Frau, gefangen im Körper eines Mannes? So etwas gibt es nicht! Dieses ganze Dogma von Geschlechter-Identität ergibt keinen Sinn!

Ines*: Dieses Argument möchte ich gerne mit einem Zitat von Catherine McKinnon beantworten: “I always thought I don’t care how someone became a woman or a man; it does not matter to me… Anybody who identifies as a woman, wants to be a woman, is going around being a woman, as far as I’m concerned, is a woman.”

TERF: Du lebst nach Gender Stereotypen! Wie meinst du das, du lebst wie eine Frau? Aha, du verkörperst also stereotype Konstrukte, die das Patriarchat uns Frauen auferlegte!

Ines*: Ich denke nicht, dass Weiblichkeit und Feminität kohärent sind! Vielmehr nutze ich durch das Tragen von weiblich konnotierter Kleidung und Make-up eine kulturell geprägte Sprache.

TERF: Es ist so typisch Mann, dass du denkst du könntest dich nun Frau nennen, ohne dass du je den weiblichen Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung durchleben musstest.

Ines*: Nein, ich wurde noch nie so beleidigt, behandelt oder/und angefeindet, wie es eine cis* Frau im Laufe ihres Lebens sicherlich mehrfach erleben muss. Doch auch ich werde von cis* Männern nicht mit dem selben Respekt behandelt, den sie für einander aufbringen. Damit möchte ich aber nicht sagen, dass ich das Argument als invalide betrachte. Ich sehe euch und versuche mit euch mitzufühlen, meine cis* Schwestern!

TERF: Durch die momentane Debatte um Trans-Rechte geraten wir Frauen und der Kampf für Frauenrechte und Gleichberechtigung in den Hintergrund!

Ines*: Indem radikalfeministische cis* Frauen behaupten, dass Queer- und Transfeminist*innen ihre Realitäten unsichtbar machen, verbergen sie die Gewalt, die sie selbst nicht-cis* Frauen gegenüber ausüben.

My Hairy Big Thighs — Ein Gedicht von Ines*

The quirky noise my leather pants make while I walk down Kollwitzstraße.
A pretty street in a safe neighbourhood: intellectuals, parents, students, old white women, free spirits, snobs, hipsters, old white men, loyal LPG customers.
I feel the eyes.
I notice their gaze piercing through my little satin tanktop.
Getting tangled up in my long brown curls,
so long that they tend to bounce from left to right while I walk.
Mesmerised by my braless chest.
Stiff nipples pushing through my thin satin top.

The pedestrians don’t see me as I see myself.
The pedestrians thinks I could be more.
The pedestrians refuses to see me a proud, unapologetic feminist.
The pedestrian only sees me as a person wearing too much, too short, too you.

Ein Text von Ines* und Savannah