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FAQ BeeBreed und Zuchtwerte

Was kann ich tun, damit meine Zuchtwerte besser werden?

Vorab, wichtiger als hohe Zuchtwerte sind zuallererst realistische Zuchtwerte. Denn nur Zuchtwerte, die den wahren genetischen Wert der Bienen widerspiegeln, sind ein nützliches Werkzeug für die Zucht.

Ich würde also die Frage in "Was kann ich tun, damit meine Zuchtwerte realistischer und besser werden?" abwandeln. Für die Qualität der Bienen ist nichts gewonnen, wenn die Zuchtwerte hoch und unrealistisch werden - in den nächsten Generationen wird sich das rächen.

Natürlich legt der D.I.B. für seine Körklassen Untergrenzen des Zuchtwertes fest. Aus gutem Grund, denn für die Entwicklung der Gesamtpopulation ist wichtig, dass nur von überdurchschnittlichen Königinnen nachgezogen wird. Aber: die Mindestanforderungen des D.I.B. sind außerordentlich bescheiden. Die Körklasse B fordert lediglich einen Gesamtzuchtwert von 100, das ist per definitionem die Hälfte aller Zuchtköniginnen der letzten 5 Jahrgänge. Da wegen der Selektion der aktuelle Jahrgang überdurchschnittliche Zuchtwerte hat, ist die Mehrheit des aktuellen Jahrgangs nachzuchtwürdig! Hinzu kommt, dass innerhalb einer Geschwistergruppe die Zuchtwerte von guten Eigenleistungen profitieren. So findet sich in fast jeder Geschwistergruppe eine nachzuchtwürdige Königin.

Nun zu den Maßnahmen, die zu realistischen und besseren Zuchtwerten führen:

  • Fremdprüfung. Fremdprüfung ist der Schlüssel für realistische Zuchtwerte. Wie soll der wahre Wert einer Zuchtlinie einzuschätzen sein, wenn sie nie mit anderen verglichen wurde? Das heißt, immer wieder Königinnen von anderen Züchtern prüfen, und eigene Königinnen anderen Züchtern zur Prüfung überlassen. Gelegentlich auch mit weit entfernten Züchtern (andere Landesverbände, andere Länder) Königinnen zur Fremdprüfung austauschen.
  • Prüfstände nicht zu klein planen. Die Zuchtwerte werden von den Leistungsunterschieden auf dem Prüfstand bestimmt, und zu kleine Stände liefern wenig Information. Siehe auch unsere Empfehlung.
  • Auch die schlechten Völker weiterprüfen und die Daten in BeeBreed eingeben. Sie sind sehr wichtig für den Vergleich!
  • Auf die Korrektheit der eingegebenen Daten in BeeBreed achten, und prüfen, ob der Obmann sie freigegeben hat.
  • Bei der Auswahl der Belegstelle zu hohe Inzucht vermeiden.
  • Bei der Selektion nach guten Zuchtwerten entscheiden aber dabei den eigenen imkerlichen Sachverstand nicht vernachlässigen.
  • Kritisch auf sehr hohe Zuchtwerte schauen, oft sind sie durch extreme Sondersituationen entstanden und damit nicht realistisch.
Natürlich ist es eine Option, die eigenen Bienenzuchtlinie aufzugeben und eine neue Zuchtlinie auf "erfolgreiche" andere Königinnen aufzubauen. Aber regional angepasste Bienen sind einerseits ein erhaltenswertes Kulturgut, und können andererseits im lokalen Klimaverlauf robuster sein. Es ist auch möglich, dass sie sich in der vergleichenden Leistungsprüfung mit Spitzenzuchtwert-Bienen aus anderen Regionen behaupten würden. Deswegen ist eine solche Fremdprüfung so wichtig, bevor das Aufgeben einer lokalen Zuchtlinie erwogen wird. Es kann sinnvoll sein, als hochwertig eingstufte Bienen (z.B. für Varroa-Resistenz) einzukreuzen, z.B. durch den Besuch einer Belegstelle. Auch das sollte behutsam geschehen und mit vergleichender Leistungsprüfung einhergehen.

Gilt der Zuchtwert für das Volk, die Königin oder die Arbeiterinnen?

Im Prinzip ja! Genaugenommen gilt er für die begattete Königin, d.h. die Königin zusammen mit dem Sperma der Begattung. Aber gleichzeitig gilt er für den Durchschnitt aller Arbeiterinnen. Da ja alle Arbeiterinnen des Volkes genetisches Material von der Königin und dem Sperma der angepaarten Drohnen enthalten, gibt es genetisch keinen Unterschied zwischen der angepaarten Königin und ihrem Volk.

Die Königin an sich, also ohne das Sperma, unterscheidet sich genetisch von den Arbeiterinnen. Deswegen hat sie auch einen eigenen, anderen Zuchtwert. Dieser Zuchtwert wird aber nicht in BeeBreed gezeigt, weil er praktisch keine Bedeutung hat. Denn das Sperma der Anpaarung bleibt für das ganze Leben erhalten.

Aber was ist mit einer jungfräulichen Königin? Solange sie nicht angepaart wurde, und ihr Volk geprüft wird, sind ihre Gene, ihr Zuchtwert unbekannt. Deswegen entspricht der Zuchtwert einer jüngräulichen Königin genau dem Zuchtwert ihres Muttervolkes. Genetisch ist sie zunächst den Arbeiterinnen dieses Volkes gleichgestellt.

Warum sinkt der Zuchtwert eines Vorfahrenvolkes von Zuchtwertschätzung zu Zuchtwertschätzung ab?

Die Zuchtwerte von vergangenen Jahrgängen werden von Zuchtwertschätzung zu Zuchtwertschätzung niedriger, das ist auch so beabsichtigt. Der Zuchtwert 100 ist der Durchschnitt der letzten 5 Geburtsjahrgänge. Auch wenn Nachfahren geprüft werden (z.B. der 6-1-525-2013), kann sich die Bewertung stark ändern. Die Bewertung kann sich besonders dann stark ändern, wenn sie nicht durch Fremdprüfung abgesichert wurde.

Warum haben Völker bei gleicher Bewertung der Sanftmut auf dem selben Stand unterschiedliche Zuchtwerte Sanftmut?

Das liegt an der genetischen Korrelation, besonders zum Wabensitz. Die Gene, die die einzelnen Merkmale beeinflussen, sind nicht voneinander unabhängig. Die Berücksichtigung der genetischen Korrelationen ist ein großer Vorteil, weil die durch zufällige Ereignisse hervorgerufenen Schwankungen abgepuffert werden und die Zuchtwerte dadurch zuverlässiger werden.

Wie wird der Gesamtzuchtwert gebildet, wenn keine Varroamerkmale geprüft wurden, also ohne Varroaindex

Der Gesamtzuchtwert wird trotzdem mit den Wichtungsfaktoren 15%, für Honigleistung, Sanftmut, Wabensitz und Schwarmneigung , und 40% für Varroaindex berechnet. Es wird nämlich auch dann ein Varroaindex bestimmt, wenn keine Varroamerkmale geprüft wurden, er wird (nach Vorgabe des D.I.B.) nur nicht gezeigt, weil er sehr unsicher ist. Es ist quasi ein Durchschnittszuchtwert für Völker ohne gemessene Varroamerkmale.

Warum ist der Gesamtzuchtwert nicht der Durchschnitt der Einzelzuchtwerte - gewöhnlich höher?

Im Prinzip könnte man auch den (gewichteten) Durchschnitt aller Einzelzuchtwerte als Gesamtzuchtwert nehmen. Aber dann würde er nicht mehr dem extrem nützlichen Kriterium:
Zuchtwertbesser als ... aller Königinnen
10050%
10569%
11084%
11593%
12098%
entsprechen. Deswegen werden alle Gesamtzuchtwerte noch einmal normalisiert. Königinnen, die in allen Merkmalen sehr gut sind (Beispiel: 110 für alle Merkmale), sind in der Gesamtpopulation seltener als der Zuchtwert 110 bei einem Einzelmerkmal. Die Normalisierung hebt in diesem Beispiel den Gesamtzuchtwert auf 113 (Carnica-Zuchtwertschätzung 2018). Das macht absolut Sinn, denn dass Zusammentreffen von 5 guten Zuchtwerten ist herausragender als ein guter Zuchtwert bei einem Einzelmerkmal. Wie stark die guten Gesamtzuchtwerte angehoben werden, ist bei den verschiedenen Zuchtpopulation unterschiedlich, und kann sich auch im Laufe der Jahre ändern. Es hängt davon ab, wie häufig das Zusammentreffen von guten bzw. schlechten Zuchtwerten ist.

4a-Anpaarung - 1b-Anpaarung, was soll ich dort eintragen?

In den meisten normalen Fällen - nichts eintragen! Bei der Anpaarung auf einer Belegstelle muss auch nichts eingetragen werden - es handelt sich prinzipiell um eine 4a-Anpaarung. Es sind ganz spezielle Sonderfälle (meist der künstlichen Befruchtung), die hier ganz genau erfasst werden können. Das sind
  • die Ein-Drohn-Besamungen: hier wird 1b-Anpaarung, Drohnen: 1 eingetragen - Drohnenvölker soll frei bleiben
  • Besamungen mit Drohnen direkt von einem registrierten und leitsungsgeprüften Volk: 1b-Anpaarung und die Anzahl der Drohnen, die für eine Besamung schätzungsweise zum Einsatz kommen
  • bei einer gewöhnlichen Besamung mit Drohnenvölkern 4a-Anpaarung.
  • Z.B. in Norwegen gibt es eine spezielle Art von Belegstelle, wo Zuchtvölker direkt als Drohnenvölker aufgestellt wurden - 1b-Anpaarung und die aufgestellten Völker als mehrere 4a eingetragen

Anzahl der Drohnen, woher soll ich das wissen?

Bei einer natürlichen Begattung ist die Zahl unkontrollierbar, wir gehen von einer Durchschnittszahl aus. Auch bei künstlichen Besamungen muss die Zahl der Drohnenvölker nicht eingetragen werden, wir gehen auch dann von einer Durchschnittszahl aus. Nur bei speziellen Besamungen wie 1-Drohn-Besamung, stark durchmischtem Sperma von vielen Drohnen sollte eine Zahl eingetragen werden.

Anzahl der Drohnenvölker, woher soll ich das wissen?

Bei einer registrierten Belegstelle sind auch die Zahl der Drohnenvölker aufgezeichnet, sie müssen im Datensatz nicht noch einmal eingetragen werden. Wenn die Belegstelle aber (noch) nicht registriert ist, ist das eine Gelegenheit, die Zahl der Drohnenvölker bekanntzugeben. Auch bei künstlichen Besamungen sollte die Zahl der Drohnenvölker eingetragen werden, sie kann sich selbst in einer festen Besamungsstation von Besamung zu Besamung unterscheiden. Wenn nichts eingetragen wird, gehen wir von einer Durchschnittszahl aus.

Wie kann ich mit Ihrer Datenbank eine möglichst sanftmütige Linie, bzw. deren Züchter ermitteln?

Gehen Sie beispielsweise (für Deutschland) folgendermaßen vor:
  • wählen Sie Menü "Zuchtwerte,"
  • Population: "Carnica-Hauptpopulation"
  • Zuchtwertergebnisse für ausgewählte Königinnen
  • Jahrgang 2017
  • "gekört" anklicken
  • Wichtungsfaktoren für Honig, Wabensitz, Schwarmneigung, Varroaindex löschen
  • Nach Gesamtzuchtwert sortieren
  • "Weiter" klicken
  • Auf einen Königin-Code klicken -> Stammbaum-Browser
  • Kontakt zum Züchter / Prüfer

Erklärung:

Population: Carnica-Hauptpopulation
Unter den in BeeBreed verfügbaren Rassen sind nur diese in Deutschland problemlos verfügbar. Mellifera müsste aus der Schweiz oder Norwegen importiert werden, die Weiterzucht in Deutschland wird Buckfast ist derzeit nicht in BeeBreed repräsentiert.
Jahrgang 2017
das ist der Jahrgang von Königinnen, die 2018 geprüft wurden und 2019 gekört werden
"gekört" anklicken
das sind die Königinnen, von denen die Züchter Tochterköniginnen verkaufen.
Wichtungsfaktoren für Honig, Wabensitz, Schwarmneigung, Varroaindex löschen
der Gesamtzuchtwert wird dann gleich dem Zuchtwert Sanftmut

Beachten Sie, dass der Zuchtwert nur eines der Kriterien für eine geeignete Königin ist. Regionale Anpassung, die anderen Merkmale, Inzuchtniveaus sind andere.

Die meisten Züchter verkaufen Königinnen nur nach Vorbestellung vor der aktuellen Saison, manche Züchter verkaufen auch gar nicht. In jedem Falle ist es sinnvol, mit dem Züchter in Kontakt zu treten, der auch etwas zu den individuellen Eigenschaften jenseits der Zuchtwerte sagen kann.

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