Alexander von Humboldt

Künstler*in: Reinhold Begas

Werktitel: Alexander von Humboldt

Datum: 1882

Material: Marmor

Maße: 250 cm (Statue) / 320 cm (Sockel)

Gattung: Denkmal

Standort: Unter den Linden 6, rechts vor dem Eingang zum Ehrenhof

Alexander von Humboldt, der jüngere der Humboldt-Brüder, war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Er wurde durch seine weitreichenden Forschungsreisen nach …

Lateinamerika, in die USA und nach Zentralasien sowie durch seine wegweisenden wissenschaftlichen Studien in Physik, Geologie, Mineralogie, Botanik und anderen Disziplinen weltweit bekannt. Sein Lebenswerk, das sich über mehr als siebzig Jahre erstreckte, revolutionierte das Verständnis der Welt zu seiner Zeit.

Die Denkmäler der Humboldt-Universität erinnern an Wissenschaftler, die in und für die Berliner Universität wirkten und sich auf außergewöhnliche Weise um die Förderung der Wissenschaft verdient gemacht haben. (Vgl. Keune 2000, S.14)

Bereits 1869 begann die Initiative zur Errichtung des Alexander von Humboldt-Denkmal anlässlich seines 100. Geburtstages. Rudolf Virchow, der zu dieser Zeit Professor für Pathologie und Anatomie an der Universität sowie Direktor des Pathologischen Institutes war, organisierte dabei die Spendenaktion, die an das deutsche Volk gerichtet und für ein Nationaldenkmal Alexander von Humboldts bestimmt war. Der Bekanntheitsgrad des Wissenschaftlers, den er durch seine weitreichenden Forschungsreisen erlangt hatte, führte dazu, dass der Spendenaufruf internationalen Anklang fand. Innerhalb eines Jahres wurde die beachtliche Summe von 100.000 Mark zusammengetragen. (Vgl. Deutsche Bundesbank 2025) Von Seiten des Hofes gab es Kritik für die Denkmalinitiative, da Alexander von Humboldt als Reaktionär, Bekenner der Ideale der Französischen Revolution und Kritiker des Königs bekannt war.

Bereits zu Beginn des Prozesses rund um die Humboldt-Denkmäler erwog das Denkmalkomitee den Standort Unter den Linden.  Die Universität, die um einen Aufstellungsort gebeten wurde, gab den Standort Unter den Linden am Zaun des Vorhofs zum Hauptgebäude dafür frei, jedoch unter der Auflage, dass auch für Wilhelm von Humboldt ein Pendant errichtet wird. 1876 erfolgte die Ausschreibung des Wettbewerbs. Die Humboldt-Statuen-Kommission, die aus sieben Mitgliedern bestand, teils aus dem Senat der Königlichen Akademie der Künste und teils aus der Regierung, wählte aus den eingesandten Entwürfen die Modelle aus. Reinhold Begas erhielt den Auftrag für das Denkmal Alexander von Humboldts, auch wenn sein Entwurf zuerst eine lorbeerumkränzte Kolossalbüste des Wissenschaftlers vorsah. Er wurde daraufhin aufgefordert, sein Werk den Entwürfen Paul Ottos für das Pendant, die Wilhelm-von-Humboldt-Statue, anzupassen. Obwohl Begas bereits 1874 das Meisteratelier für Bildhauerei der Königlichen Akademie der Künste leitete, stand er zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang seiner mehrere Jahrzehnte andauernden Karriere. 

Begas fügte sich widerwillig den Anforderungen des Komitees, da dieser Auftrag nicht nur lukrativ für sein Atelier war, sondern zudem mit einer gewissen Anerkennung verbunden war. Nachdem 1880 weitere Verbesserungen an Begas‘ nun angepassten Entwürfen vorgenommen wurden, verweigerte der Künstler daraufhin jeden weiteren Zugang zum Atelier, bis die Fertigstellung des Denkmals abgeschlossen war. Am Geburtstag der Tochter Wilhelm von Humboldts, Gabriele von Bülow, am 28. Mai 1883, fand die Einweihung der beiden Statuen im Beisein von Studierenden der Friedrich Wilhelms-Universität, der städtischen Vertreter sowie in Anwesenheit der kaiserlichen Familie statt. 

Würdevoll, aber entspannt sitzt der Forscher leicht nach vorne gebeugt in den schlichten Kleidern seiner Zeit auf einem Stuhl. Zu seiner rechten Seite schauen aus den drapierten Stoffbahnen seines Mantels Bücher und ein Herbarium, eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzenteile, hervor. Mit gekreuzten Beinen in engen Kniehosen und den linken Arm aufgestützt, richtet er seinen ruhigen Blick geradeaus. In seiner rechten Hand hält er eine kleine exotische Pflanze, die eines seiner Forschungsgebiete, die Botanik, repräsentiert.

Auch der marmorne Sockel, der stilistisch dem zu dieser Zeit häufig vertretenen Neobarock folgt, greift einige Aspekte von Humboldts Interessensgebieten auf. Auf der Vorderseite ist der Name des Gelehrten: ALEXANDER VON HUMBOLDT in eine von Lorbeer umrankten und von kleinen Tieren belebten Tafel gehauen. Darüber sitzen zwei kleine Putten mit Fernrohren. Am unteren Teil des Sockels befindet sich die spanische Inschrift: AL SEGUNDO DESCUBRIDOR DE CUBA LA UNIVERSIDAD DE LA HABANA 1939, die 1939 auf Wunsch des Direktors der Universität von Havanna angebracht wurde, in Anlehnung an den bereits zeitgenössisschen Ruf Humboldts als Ehrung für den zweiten Entdecker Amerikas.

Die seitlich des Sockels befindlichen Reliefs zeigen detailliert ausgearbeitet weitere Forschungsbereiche des Forschers in der Verkörperung von Natur und Wissenschaft:

Linkes Relief: In einer Wiesenlandschaft liegt, umgeben von Bäumen, eine nackte, langhaarige junge Frau – die personifizierte Allmutter Natur. Mit ihren Händen umfasst sie zwei Kinder, die sie an ihren Brüsten nährt.

Rechtes Relief: In einem mit einem gerafften Vorhang ausgestatteten Raum sitzt eine jugendliche Frauengestalt. Sie hält einem Jungen, der neben ihr sitzt, ein dickes Buch zum Lesen hin, während ein Kleinkind zu ihren Füßen einen Globus mit einem Zirkel vermisst. Die Szene symbolisiert die Weitergabe von Wissen, wissenschaftlicher Neugier und naturwissenschaftlicher Forschung.

Ursprünglich besaß das Denkmal noch ein weiteres Relief an der Rückseite, es zierte einen am Boden sitzenden Knaben mit einem Globus als Referenz auf die geografischen Forschungen und Reisen Alexander von Humboldts. (Gandert 2004, S. 174)

Nachdem die beiden Denkmäler mehrere Restaurierungen über die Jahre erlebt haben und den Zweiten Weltkrieg geschützt durch Einmauerung überstanden, werden diese seit 1985 zum Schutz vor der kalten Jahreszeit jeden Winter eingehaust, um im Sommer wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Ein paar Meter weiter Richtung Wilhelmstraße befindet sich das Denkmal des älteren Humboldt Bruders Wilhelm von Humboldt.

Quellen

Ausst.-Kat. Begas 2010
Begas. Monumente für das Kaiserreich, Ausstellung zum 100. Todestag von Reinhold Begas (1831 ‐ 1911), Ausst.-Kat. Deutsches Historisches Museum, Dresden 2010.

Deutsche Bundesbank, 2025
Deutsche Bundesbank Eurosystem: Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen, Stand: Januar 2025.

Gandert 2004
Gandert, Klaus-Dietrich: Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität. Die historische Entwicklung des Universitätsgebäudes in Berlin mit seinen Gartenanlagen und Denkmälern, Berlin 2004.

Keune 2000
Keune, Angelika: Gelehrtenbildnisse der Humboldt‐Universität zu Berlin. Denkmäler, Büsten, Reliefs, Gedenktafeln, Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Medaillen, Berlin 2000.