F. D. E. Schleiermacher


Künstler*in: Werner Richter

Werktitel: F. D. E. Schleiermacher

Entstehungsdatum: 1974

Material: Bronze auf Marmortafel

Maße: 115 x 80 cm

Gattung: Gedenktafel

Standort: Hauptgebäude, Westflügel, Flur F 2095

Die Gedenktafel wurde 1974 anlässlich der wissenschaftlichen Konferenz zum 140. Todestag von …

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher von der Humboldt-Universität gestiftet. Wie viele der Denkmäler an der Universität ist auch dieses durch persönliches Engagement zustande gekommen, dank des damaligen Dekans der Theologischen Fakultät, Heinrich Fink.

Schleiermacher war auf vielfältige Weise wichtig für die Berliner Universität, er wird mit verschiedenen Kunstwerken geehrt, die Gedenktafel ist das jüngste Werk. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher war ein Theologe, Philosoph und evangelischer Prediger. Er studierte Theologie in Halle und wurde 1794 Hilfsprediger in Landsberg/ Warthe. Anschließend ging er nach Berlin, wo er von 1796-1802 Prediger an der Charité war. Seine akademische Laufbahn begann er 1804 an der Friedrichs-Universität Halle, zunächst als außerordentlicher Professor der Theologie und Philosophie, ab 1806 als ordentlicher Professor. Nachdem die Universität Halle im Zuge der Napoleonischen Kriege 1806 geschlossen wurde, ging Schleiermacher erneut nach Berlin und war von 1807-1809 Prediger an der Dreifaltigkeitskirche. Zu dieser Zeit setzte er sich mit Wilhelm von Humboldt für die Gründung der Berliner Universität ein. Als Gründungsmitglied war er von 1810 bis zu seinem Tod (12. Februar 1834) ordentlicher Professor der Theologie und Philosophie sowie erster Dekan der Theologischen Fakultät. 1815/16 übte er zudem das Amt des Rektors der Friedrich Wilhelms-Universität aus. Schleiermacher war somit nicht nur prägend für die theologische und philosophische Fakultät, sondern für die „moderne Universität“ mit ihrer Einheit von Lehre und Forschung insgesamt.

Gemäß dieser Bedeutung wurde er in Büsten geehrt, wie es für das 19. Jahrhundert auch an der Universität üblich war. Erstaunlich ist dagegen die Anbringung einer Gedenktafel 140 Jahren nach seinem Tod. Zudem fällt im Vergleich mit der auf derselben Wand hängenden Gedenktafel für Theodor Mommsen auf, wie schlicht sie gestaltet ist. Es handelt sich um eine graue Marmorplatte mit einem bronzenen Porträtmedaillon von Schleiermacher im Profil. Ergänzt wird das Bildnis lediglich mit der Gravur seines Namens und seiner Lebensdaten. Die Marmorplatte ist mit vier blumen- oder kronenartigen Stiften an der Wand befestigt. Das Fehlen eines würdigenden Textes weist auf die Entstehungszeit. Die Ehrung eines Theologen war zu DDR-Zeiten unüblich und passte nicht in die konfliktgeladene Beziehung zwischen christlichen Kirchen und dem sozialistischen Staat. Somit ist es erstaunlich, dass es diese Tafel überhaupt gibt, doch zeigt sich an ihr deutlich der eingegangene Kompromiss für diese Art der Ehrbezeugung. Keine ausführliche Würdigung des Theologen mit seinen Lebensstationen, sondern lediglich Name und Lebensdaten weisen auf Schleiermacher hin. Das Material sowie die Profilgestaltung des Porträts geben dem Memorialgedanken Ausdruck und dürften in Anlehnung an einen 1820 entstandenen Kupferstich von Friedrich August Andorff gestaltet worden sein. Weit ausführlicher wird Schleiermacher in der später entstandenen und dieselben Gestaltungselemente aufgreifenden Gedenktafel am Gemeindehaus in der Friedrichstadt (Schleiermacher-Haus) gewürdigt: „Friedrich D. E. / Schleiermacher / 1768 – 1834 / Philosoph Theologe / Prediger an der / Dreifaltigkeitskirche / Mitbegründer der / Berliner Universität / lebte und wirkte hier / 1809 – 1816“. Schleiermacher wohnte dort von vermutlich 1809 oder 1812-1816 im Pfarrhauskomplex der Dreifaltigkeitskirche.

Quellen

Eisold 2010
Eisold, Dietmar: Lexikon Künstler in der DDR, Berlin 2010, S. 769.

Gedenktafeln in Berlin – Schleiermacher
https://www.gedenktafeln-in-berlin.de/gedenktafeln/detail/friedrich-daniel-ernst-schleiermacher/388 (letzter Zugriff: 20.11.2024)

HU Geschichte Persönlichkeiten – Mommsen
https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschichte/persoenlichkeiten/theodor-mommsen (letzter Zugriff: 20.11.2024)

HU Überblick Geschichte
https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschichte/abriss/hubdt_html (letzter Zugriff: 20.01.2025)

Keune 2000
Keune, Angelika: Gelehrtenbildnisse der Humboldt-Universität zu Berlin : Denkmäler, Büsten, Reliefs, Gedenktafeln, Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Medaillen, Berlin 2000, S. 137-144.