
Künstler*in: Anna Franziska Schwarzbach
Werktitel: Lise Meitner
Entstehungsdatum: 2014
Material: Bronze, Naturstein
Maße: 1,57 m (Statue); 1,07 m x 1,94 m x 1,67 m (Sockel)
Gattung: Plastik
Standort: Hauptgebäude, Ehrenhof, Ostseite
Als einzige Darstellung einer Frau im Ehrenhof ist das Denkmal ebenso besonders wie die Person selbst. Das Denkmal für die Physikerin Lise Meitner wurde ihr zu Ehren am 10. Juli 2014 im Ehrenhof der Humboldt-Universität eingeweiht.
Sowohl zeitgeschichtlich als auch stilistisch sticht das Denkmal für die Physikerin Lise Meitner im Ehrenhof der Humboldt-Universität hervor. Im Gegensatz …
… zu den anderen Standbildern ist Meitner nicht überlebensgroß oder in raumgreifender Pose dargestellt. Vielmehr zeigt das Denkmal eine schmale, zierliche Bronzefigur, die auf einem übermächtigen Sockel aus Naturstein leicht abseits steht, zugleich auf der höchsten Stufe einer kleinen Treppe, die in den Sockel gehauen ist. Er ist durch Stufen, Einschnitte und Risse aufgebrochen, gibt der Figur zugleich Halt, repräsentiert aber auch ihre Biografie. Als promovierte Physikerin arbeitete Lise Meitner in an der Berliner Universität mit Otto Hahn zusammen, nach ihrer Habilitation wurde sie 1926 als erste Frau zur außerordentlichen Professorin berufen. Aufgrund antisemitischer Verfolgung floh sie 1938 ins schwedische Exil und bekleidete dort von 1947 bis 1960 die Forschungsprofessur und Leitung der Kernphysikalischen Abteilung an der Technischen Hochschule Stockholm. Meitners Arbeitswille und ihr Einsatz für eine friedliche Nutzung der Kernenergie durchzogen ihr ganzes Leben. Dies zeigt sich ebenfalls am Sockel: Auf der linken Seite sind Fragmente einer Berechnung zu erkennen, rechts ist die Zeichnung einer Kernreaktion angebracht. Die Schrift auf der Vorderseite des Sockels ist eine Kopie der Unterschrift von Meitner.
Die Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach stellt Lise Meitner in ihrem Denkmal auf ein Podest. Es steht als Symbol für all die Frauen, die in der Wissenschaft übersehen und keine Anerkennung bekommen haben. Die aufgebrochene Struktur des Sockels soll ebenfalls auf die Zerrissenheit und Entfremdung im Leben der jüdischen Wissenschaftlerin aufmerksam machen. Das Lise Meitner Denkmal steht somit sinnbildlich auch für alle jüdischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die unter dem nationalsozialistischen Regime verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.
2007 startete die Kustodin Dr. Angelika Keune eine Initiative, im Ehrenhof der HU ein Denkmal für Lise Meitner errichten zu lassen. Nach dem Sammeln von Spenden konnte schließlich 2013 ein mehrstufiger Wettbewerb ausgerufen werden, an dem sich hochrangige Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa und Israel beteiligten. Ausgewählt zur Realisierung des Kunstwerks wurde die deutsche Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach. Das Denkmal wurde am 10. Juli 2014 im Ehrenhof der HU eingeweiht.
Quellen
Ausst.-Kat. Chemnitz 2004
Eisen Kunst Guss. Eisenfiguren der Anna Franziska Schwarzbach, Ausst.-Kat. Schloßbergmuseum Chemnitz 2004.
Kuhli 2023
Kuhli, Christina: „Objekt des Monats“: das Lise-Meitner-Denkmal von Anna Franziska Schwarzbach, (letzter Zugriff: 04.02.2025)
Schwarzbach 2018
Schwarzbach, Anna Franziska (Hrsg.): Portraits Kluger Frauen in Skulptur, Malerei, Zeichnung, Medaille, eine Ausstellung der Kustodie der Humboldt-Universität zu Berlin in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst, Berlin 2018.
Autorin: Leonie Nell Schumacher



Anna Franziska Schwarzbach, Lise Meitner, 2014
Von links nach rechts: Vorderansicht von unten, Detailansicht vom Sockel rechts, Detailansicht vom Sockel links
Fotos: Maja Klimt