
Künstler*in: Bernhard Heiliger
Werktitel: Max Planck
Entstehungsdatum: 1948-49
Material: Bronze
Maße: 205 cm (Figur mit Plinthe), 50 cm (Sockel)
Gattung: Skulptur
Standort: Hauptgebäude, Ehrenhof, Westseite
Als erste überlebensgroße Skulptur nach der NS-Zeit sollte das Denkmal für Max Planck gemeinsam mit dem Helmholtz-Denkmal, das zu diesem Zeitpunkt noch in der Universitätsstraße stand, eine neue Epoche der Universität sichtbar und die Umgestaltung des Ehrenhofes durch die Nationalsozialisten rückgängig machen. So unumstritten die Person des Physikers für eine Ehrung war, so angreifbar wurde der Künstler Bernhard Heiliger zu Zeiten des Formalismusstreits in der DDR. So dauerte es über fünfzig Jahre, bis das Denkmal im Ehrenhof der Humboldt-Universität aufgestellt werden konnte.
Die Idee für ein Denkmal Max Plancks im Ehrenhof der Universität kam bereits kurz nach dem Tod des unumstritten verehrungswürdigen Physikers auf …
… und wurde vonseiten des Rektors und Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, Walter Friedrich und Johannes Stroux, vorangetrieben, finanziert durch den Magistrat.
Eine Denkmalkommission lobte einen Wettbewerb aus, zu dem fünf Bildhauer eingeladen wurden. Bernhard Heiliger ging 1948 als Sieger hervor. Er gestaltete Max Planck an einem Katheder stehend in dozierender Pose. Die einfachen, strengen und klaren Formen der Figur sind am Kopf zugunsten größerer Realitätsnähe zurückgenommen, der Bart, die gerunzelte Stirn und die Brille verleihen ihr Porträtqualität. Die im Bogen ausgreifenden Arme evozieren eine dialogische Situation, die leicht gebückte Haltung verweist ebenso auf Charaktereigenschaften wie Nachdenklichkeit und Bescheidenheit, verleiht der Figur aber auch eine gewisse Würde. Heiliger selbst sprach von der „Durchgeistigung“ der Figur, die sich auch in der speziellen Umsetzung der Brille „mit dem durch sie dringenden Blick“ (zit. nach Heiliger 2000, S. 48) – d.h. den aufgesetzten Knopfaugen – zeigt.
Anfang 1950 sollte das Denkmal eingeweiht werden, doch kam es nicht dazu – nach offizieller Verlautbarung aufgrund stilistischer Kritik im aufkommenden sog. Formalismusstreit. Demnach wurden abstrakte Formen, wie sie auch die Skulptur Plancks bestimmen, als dekadent und bürgerlich verunglimpft. Heiliger selbst beschrieb seine Figur kurz vor der geplanten Aufstellung: „Eine Skulptur ist nicht Abbild, sondern ausstrahlendes Sinnbild. Wir alle müssen wesentlich werden und neue Symbole für eine neue Zeit ersinnen … So ist auch dieses Denkmal eine überzeitliche Abstraktion.“ (Sonntag, 30. Januar 1949, zit. nach Heiliger 2000, S. 48) Allerdings dürfte auch eine politische Konnotation eine Rolle gespielt haben, da der Künstler 1949 von der Kunsthochschule Weißensee im Osten Berlins an die Kunsthochschule in Charlottenburg im Westen gewechselt hatte – zu einer Zeit, als durch die Gründung der beiden deutschen Staaten und im Wissenschaftsbetrieb durch die Gründung der Freien Universität größte Spannungen zwischen Ost und West herrschten. Offiziell ist nur durch ein Rundschreiben des Akademiepräsidenten, der die geplante Einweihungsfeier absagt, das vorläufige Scheitern der Aufstellung aktenkundig. So gelangte das Planck-Denkmal zuerst ins Foyer des Akademiegebäudes am Gendarmenmarkt, dann vor das Gästehaus der Akademie in Zeuthen, 1973 vor das dortige Akademieinstitut für Hochenergiephysik (heute DESY-Zeuthen). Es war zwar niemals die Person Max Plancks, die in Zweifel gezogen wurde – im Gegenteil wurde für das Denkmal in Zeiten enormer Materialknappheit von Anfang an Bronze gewählt –, doch konnte man auch für die „gute Sache“ der Ehrung des Physikers nicht über politische Konkurrenzen hinwegsehen. Erst 2006 konnte es schließlich an seinem ursprünglich ausgewählten Standort im Ehrenhof aufgestellt werden – mit Blick auf den Ostflügel des Hauptgebäudes, dem ehemaligen Wirkungsort Max Plancks, als Dauerleihgabe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. (Vgl. Keune/ Voges o. J., S. 13-15.)
Bernhard Heiliger beurteilte 1991 die Idee einer Aufstellung am ursprünglichen Standort nicht nur für sein Werk (es „ist da einiges vorgegriffen auf Zukünftiges“) als wegweisend: „Das wäre dann wohl das erste Mal, daß man eine damals nicht genehme Skulptur heute aufstellt. Und das in einer Zeit, wo man sich Klarheit verschaffen muß, was mit den vielen Denkmälern von heute zweifelhaftem Ruf, was ihren Kunstwert betrifft, geschehen soll.“ (Ausst.-Kat. Bernhard Heiliger 1991, S. 17) Einen Zweitguss des Denkmals konnte Heiliger für die Stadt Köln durchsetzen. Allerdings wurde auch dort die Figur erst später, 1963, vor dem Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln-Müngersdorf aufgestellt.
Quellen
Ausst.-Kat. Bernhard Heiliger 1991
Für die Skulpturen braucht man einen langen Atem. Fragen an Bernhard Heiliger von Hans Jürgen Papies, in: Bernhard Heiliger. Skulpturen im Lustgarten. Reliefobjekte und colagierte Zeichnungen im Alten Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie Berlin 1991, S. 7-23.
Heiliger 2000
Bernhard Heiliger. Die Köpfe, hrsg. von Marc Wellmann, Ausst.-Kat. Köln 2000.
Hoffmann 2003
Dieter Hoffmann: „… weder schön noch typisch für die Zeit“. Das Max-Planck-Denkmal von Bernhard Heiliger (1949/50), in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 6, 2003, S. 184-196.
Keune/Voges o. J.
Angelika Keune/ Jeannie Voges: Die Denkmäler rund um das Hauptgebäude der Humboldt-Universität, o. J.
Autorin: Christina Kuhli




Bernhard Heiliger, Max Planck, 1948-49
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Fotos: Maja Klimt