Teller/Kartoffeln

Künstler*in: Beate Spalthoff

Werktitel: Teller/Kartoffeln

Entstehungsjahr: 2014

Maße: 8,40 m x 4,30 m

Material: Glasmosaik

Gattung: Stillleben

Ort: Hauptgebäude, Mensa Süd, Speisesaal, über den Treppen zwischen Erd- und Untergeschoss

Teller/Kartoffeln nimmt die gesamte Raumhöhe der Mensa Süd ein und besteht aus zwei großformatigen Wandbildern, gefertigt aus unzähligen Glasmosaiksteinen des …

… italienischen Herstellers Bisazza. Die pixelartige Ästhetik verleiht dem Stillleben eine digitale Wirkung, während die extreme Vergrößerung von Tellern und Kartoffeln gewohnte Größenverhältnisse aufbricht. Diese Verfremdung erzeugt eine beeindruckende Monumentalität, die durch den tiefblau-violetten Hintergrund – eine Anspielung auf das historische Preußisch Blau – noch verstärkt wird. Die Teller erinnern an ‚fliegende Untertassen‘, die Kartoffeln an Meteoriten, wodurch die Motive ihre alltägliche Funktion verlieren und eine neue, kulturelle Bedeutungsebene erhalten. 

Das Werk besteht aus 2 x 2 cm großen Glasmosaiksteinen. Diese kleinteilige Struktur verbindet eine graphische Ästhetik mit traditionellem Kunsthandwerk und unterstreicht die dreidimensionale Wirkung der Komposition. Das Werk ist zentral in der Mensa Süd positioniert und erstreckt sich über die Treppen, die das Erdgeschoss mit dem Untergeschoss verbinden. Diese Platzierung fördert die Interaktion im Mensaalltag, weist jedoch auch Hindernisse auf, da die Gesamtansicht des Werkes nur eingeschränkt barrierefrei zugänglich ist.

Beate Spalthoff, geboren 1957 in Paderborn, studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Heute lehrt sie als Professorin für Experimentelle Gestaltung mit dem Schwerpunkt Zeichnen an der Hochschule Hannover. Ihre Arbeiten und Projekte verbinden oft Alltägliches mit übergreifenden gesellschaftlichen Fragestellungen. Ihr Werk in der Mensa Süd wurde 2014 im Rahmen eines Kunstwettbewerbs der Berliner Senatskulturverwaltung in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität realisiert. Die Jury lobte Spalthoffs Entwurf für seine spielerische Leichtigkeit und seine Verbindung zur Funktion der Räume als Ort der Nahrungsaufnahme.

Die ‚weitgereiste‘ Kartoffel stammt ursprünglich aus den Anden, verbreitete sich ab dem 16. Jahrhundert jedoch über die Kolonialreiche Spaniens und Englands in Europa. Sie steht hier für kulturelle Transformation und Mobilität, spiegelt aber auch Ressourcenausbeutung und herrschende Machtstrukturen wieder. Friedrich der Große förderte ihre Verbreitung in Preußen gezielt, um Hungersnöte zu bekämpfen, und Alexander von Humboldt sah in ihr ein Beispiel für die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur. Spalthoffs Inszenierung hebt diese mehrdeutigen Aspekte hervor: Die extreme Vergrößerung macht die Kartoffel zu einem kulinarischen Protagonisten, welcher der alltäglichen Monotonie entkommt, neue Assoziationen weckt und Fragen zu globalem Austausch aufwirft. Mit Teller/Kartoffeln verbindet die Künstlerin Kosmos und Alltag und lädt dazu ein, vertraute Objekte wie Teller und Kartoffeln aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Quellen

Beck 2008
Beck, Hanno u.a. (Hrsg.): Alexander von Humboldt. Ansichten der Natur. Erster und zweiter Band, Darmstadt 2008.

Cholodnicki 2014
Cholodnicki, Susanne: „Fliegende Teller in der HU-Mensa.“, HU Presseportal 15.09.2014, https://www.hu-
serlin.de/de/pr/nachrichten/archiv/nr1409/nr._140916_00
(letzter Zugriff: 07.02.2025).

Dokumentation Kunstwettbewerb Mensa Süd 2013
Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Kunst für die Mensa Süd der Humboldt-Universität zu Berlin, Wettbewerbsdokumentation Teil 2, https://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/foerderprogramme/kunst-im-stadtraum-und-
kunst-am-bau/kunst-am-bau/2013_dokumentation_mensasued.pdf. (letzter Zugriff: 07.02.2025).

Beate Spalthoff, Teller/Kartoffeln, 2014,
Detailansichten, Erdgeschoss
Fotos: S. Klenk