
Künstler*in: Adolf Brütt
Werktitel: Theodor Mommsen
Entstehungsdatum: 1909
Material: Marmor
Maße: 170 cm (Figur), 110 cm (Sockel)
Gattung: Skulptur
Standort: Hauptgebäude, Ehrenhof, Westseite
Mit dem Denkmal für Theodor Mommsen ehrt die Universität nicht nur den bekanntesten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts und einen Nobelpreisträger. Mommsen war auch liberal politisch eingestellt und setzte sich aktiv gegen Antisemitismus ein – ganz im Gegensatz zu seinem Historiker-Kollegen Heinrich von Treitschke. Mommsens Denkmal ziert noch heute den Ehrenhof, Treitschkes Standbild wurde nach dem Krieg eingeschmolzen.
Ein Jahr nach Mommsens Tod wurde 1904 ein künstlerischer Wettbewerb für das Mommsen-Denkmal ausgelobt, zu dem …
… sieben Bildhauer eingeladen wurden und Adolf Brütt als Sieger hervorging.
Ebenso wie Mommsen kam auch der Bildhauer und Medailleur Brütt aus Norddeutschland. Theodor Mommsen begann seine akademische Laufbahn als Professor für Rechtswissenschaft in Leipzig. Aufgrund seiner liberalen politischen Aktivitäten aus dem Hochschuldienst entlassen, konnte er an der Universität Zürich und schließlich 1861 als Professor der alten Geschichte in Berlin seinen Forschungen zu römischen Inschriften nachgehen, Quelleneditionen und seine Römische Geschichte publizieren. Für dieses Hauptwerk erhielt er 1902 den Literaturnobelpreis.
Zeitgleich entstanden auch die Entwürfe für das Denkmal für Heinrich von Treitschke von Rudolf Siemering. Die beiden politisch so gegensätzlichen Historiker Mommsen und Treitschke (der den Berliner Antisemitismusstreit 1879/80 eröffnet hatte) sollten sich im Ehrenhof gegenüberstehen. Das Treitschke-Denkmal wurde in Bronze gegossen, dasjenige von Mommsen in Marmor gefertigt und beide Denkmäler 1909 enthüllt. Der Bildhauer Rudolf Siemering gestaltete die Bronzefigur Treitschkes mit Rednergestus im weiten Talar, stehend vor einer abgetreppten Marmorwand mit großem Adler. In Materialwahl und Sitzhaltung tritt das Mommsen-Denkmal hingegen in einen Dialog mit den Humboldt-Denkmälern (Alexander von Humboldt, Wilhelm von Humboldt), allerdings ist die Sitzhaltung angespannt und die Ausführung mit klaren Linien und wenigen Details deutlich formstrenger. Mommsens charakteristischer Kopf, der den Zeitgenossen in verschiedenen Medien bekannt war, zeigt den Historiker mit wallendem auf die Schulter fallendem Haar, durch Altersspuren gekennzeichnetem Gesicht und kritischem Blick. Brütt nutzte für seine Darstellung die 1903 am Totenbett Mommsens genommene Totenmaske und einen Handabguss. 1935 wurden die Denkmäler von Mommsen und Treitschke (sowie die anderen damals im Ehrenhof aufgestellten Denkmäler) in den Vorgarten der Seitenflügel in der Universitätsstraße versetzt, um vor dem Hauptgebäude in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Berlin 1936 Platz für Paraden und Aufmärsche zu haben. 1951 wurde das Denkmal von Treitschke eingeschmolzen (Gandert 2004). 2014 wurde in der Nähe des originären Standorts des Treitschke-Denkmals im Ehrenhof das Denkmal für die Physikerin Lise Meitner errichtet. Das Mommsen-Denkmal kam 1991 an seinen angestammten Platz im Ehrenhof zurück. (Vgl. Keune 2000, S. 31-34.) Brütt ließ 1909 durch die Kunstgießerei Hermann Noack einen Miniaturnachguss des Mommsen-Denkmals anfertigen (39 cm, Bronze, Husum, Nissenhaus – Nordfriesland Museum, Inv.-Nr. B 2099). Der markante Kopf ist hier stärker betont, indem Brütt die Formen noch weiter abstrakt reduzierte und Kopf und Mantel durch die Linienform miteinander in Bezug setzt (Vgl. Kat. Ethos und Pathos 1990, Kat. Nr. 45, S. 63.) Der Nachguss wurde 1911 auf der Internationalen Kunstausstellung in Rom ausgestellt. Somit wurde Mommsen nicht nur als Gelehrter und Angehöriger der Universität geehrt, das Denkmal war auch für den Künstler ein wichtiges Werk in seinem Œuvre.
Quellen
Ausst.-Kat. Ethos und Pathos 1990
S.,C., in: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786-1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie SMPK im Hamburger Bahnhof 1990, hrsg. von Peter Bloch, Kat. Nr. 45, S. 63.
Bildhauerei in Berlin – Mommsen
https://bildhauerei-in-berlin.de/bildwerk/theodor-mommsen-8596/ (letzter Zugriff: 02.07.2025).
Denkmaldatenbank – Theodor Mommsen
https://denkmaldatenbank.berlin.de/daobj.php?obj_dok_nr=09060117 (letzter Zugriff: 02.07.2025).
Gandert 2004
Gandert, Klaus-Dietrich: Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität. Die historische Entwicklung des Universitätsgebäudes in Berlin mit seinen Gartenanlagen und Denkmälern, Berlin 2004, S. 175-177.
HU Überblick Geschichte – Mommsen
https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschichte/rektoren/mommsen (letzter Zugriff: 02.07.2025).
Keune 2000
Keune, Angelika: Gelehrtenbildnisse der Humboldt-Universität zu Berlin. Denkmäler, Büsten, Reliefs, Gedenktafeln, Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Medaillen, Berlin 2000.
Steckner 1979
Steckner, Cornelis: Der Bildhauer Adolf Brütt: Schleswig-Holstein, Berlin, Weimar. Autobiographie und Werkverzeichnis, Heide 1979, Nr. 283.
Autorin: Christina Kuhli




Adolf Brütt, Theodor Mommsen, 1909
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Fotos: Maja Klimt