
Künstler*in: Johannes Götz
Werktitel: Theodor Mommsen
Entstehungsdatum: 1904
Material: Bronze
Maße: 150 x 92 cm
Gattung: Gedenktafel
Standort: Hauptgebäude, Westflügel, Flur F 2095
Warum sind Gedenktafeln wichtig? Es geht bei ihnen nicht nur um die Ehrung einer Institution oder einer Person. Sie sollen auch zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen und können zuweilen sogar für politische Diskussionen in der Gegenwart relevant sein. Auffällig ist, dass die Gedenktafel von Mommsen in ihrer Gestaltung an eine antike römische Grabplatte erinnert.
Diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Form lässt sich mit dem Wirken des Geehrten erklären. Der Historiker …
… und Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen wurde am 30. November 1817 in Garding geboren. Bereits bei seinem Jurastudium in Kiel spezialisierte er sich auf das römische Recht. Seine Leidenschaft für Altertumswissenschaften konnte er dann auf seiner Italienreise (1844-47) entfalten. In dieser Zeit legte er eine der wichtigsten Grundlagen für die Altertumsforschung mit dem Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL), einer systematischen Sammlung antiker lateinischer Inschriften. Mommsens akademische Laufbahn als Professor begann in Leipzig, wo er von 1848 bis 1851 römisches Recht dozierte. Wegen seiner liberalen politischen Ansichten musste er 1851 Deutschland verlassen, bekam jedoch 1857 durch seine renommierten CIL-Bände eine Forschungsprofessur an der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Schließlich wurde er 1861 an die Friedrich-Wilhelms-Universität (die heutige Humboldt-Universität) berufen und war dort bis 1887 Professor für Römische Geschichte. Eine seiner letzten großen Projekte war die Erforschung des Limes, für die er 1892 die Reichs-Limeskommission gründete. Ziel war die Erfassung aller römischen Anlagen und Straßen zwischen Nordschweiz und Rheinmündung. Mommsens Ziel war es, die Altertumswissenschaft in Deutschland voranzutreiben und vor allem durch die Limesforschung ein archäologisches Reichsinstitut für römische und germanische Altertümer ähnlich der Vorbildinstitute in Rom und Athen ins Leben zu rufen. Neben seinen Forschungen – für sein Hauptwerk, die Römische Geschichte, erschienen in den 1850er-Jahren, erhielt er 1902 als erster Deutscher den Literaturnobelpreis – war er auch weiterhin politisch aktiv. Im sogenannten Antisemitismusstreit gegen seinen Kollegen Heinrich von Treitschke setzte er sich gegen Judenhass ein und gründete den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Damit ist sein Wirken auch gesamtgesellschaftlich heute noch von Bedeutung.

Die bronzene Gedenktafel ist ein geschwärzter Gipsabdruck einer Marmorplatte, die sich im römischen Katell Saalburg bei Bad Homburg befindet und von Wilhelm II. gestiftet wurde. Sie ehrt Mommsen als Wegbegleiter der modernen Altertumsforschung und seine Bemühungen um die Limes-Freilegung. Dies spiegelt sich n der stilistischen Gestaltung der Gedenktafel wieder: Wie bei den römischen Vorbildern steht auch bei dieser antikisch gestalteten Platte ein plastisch ausgearbeitetes Porträt des Verstorben im Mittelpunkt, welches aus einer fensterartigen Öffnung schaut. Mommsen ist auffallend naturalistisch dargestellt, betrachtete man etwa die detaillierte Ausarbeitung der Haare oder der Gesichtszüge. Es scheint, als würde er etwas streng, aber vor allem gedankenverloren auf den Betrachtenden herabblicken. Ansonsten dominieren mit floralen Motiven verzierte Architekturelemente die Tafel. Über Mommsens Kopf wird ein Giebelfeld eines antiken Tempels zitiert.
Neben der stilistischen Gestaltung weist auch die lateinische Inschrift auf die Verdienste Mommsens hin, für die er geehrt wird:

THEODORO • MOMMSEN
SCRIPTORI • RERVM • ROMANORVM
INTER • OMNES • PRINCIPI
CVIVS • IMPVLSV • ATQVE • CONSILIO
LIMES • IMPERII • ROMANI
PATEFACTVS • EST
GVILELMVS • II
IMPERATOR • GERMANORVM
Übersetzt lautet der Text: Theodor Mommsen, dem führenden Vertreter der römischen Geschichte, auf dessen Anregung und Rat der Limes des römischen Imperiums freigelegt worden ist. Wilhelm II., Kaiser der Deutschen.
Quellen
AKL
Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 14, 1964, S. 321.
Bloch/ Grzimek 1978
Bloch, Peter und Grzimek, Waldemar: Das klassische Berlin. Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert, Frankfurt am Main 1978, S. 324.
Gedenktafeln in Berlin – Mommsen
https://www.gedenktafeln-in-berlin.de/gedenktafeln/detail/theodor-mommsen/329 (letzter Zugriff: 20.11.2024).
HU – Überblick Geschichte Rektoren
https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschichte/rektoren/schleiermacher (letzter Zugriff: 20.11.2024).
Keune 2000
Keune, Angelika: Gelehrtenbildnisse der Humboldt-Universität zu Berlin. Denkmäler, Büsten, Reliefs, Gedenktafeln, Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Medaillen, Berlin 2000, S. 137-144.
Schallmayer 2006
Schallmayer, Egon: Der Limes. Geschichte einer Grenze, München 2006.
Autorin: Sophie Härtel