Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt, Staatsmann, Gelehrter und Gründer der Universität, reformierte das Bildungswesen im Geiste des Neuhumanismus und vertrat zeitlebens die Anschauung des antiken Schönheitsideals, welches als höchster Maßstab in der Kunst galt…

Besonders hervorzuheben sind seine Reformen im preußischen Unterrichtswesen, deren Kernstück die Einführung des humanistischen Gymnasiums und die Gründung der Berliner Universität waren.

Obwohl bereits seit 1869 an Plänen für die Errichtung eines Denkmals für Alexander von Humboldt gearbeitet wurde, beschloss das Denkmalkomitee erst in einer Sitzung 1870, ein Paralleldenkmal für Wilhelm von Humboldt zu errichten – eine Bedingung seitens der Universität zur Freigabe des Standorts für das Alexander-Denkmal. Da innerhalb eines Jahres bereits die beachtliche Summe von 100.000 Mark für die Errichtung des Denkmals des jüngeren der Humboldt-Brüder zusammengetragen wurde, wandte sich das Komitee mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an Kaiser Wilhelm I. 1875 stimmte der Kaiser dieser Bitte zu und trug die benötigten 90.000 Mark bei.

1876 erfolgte die Ausschreibung des Wettbewerbs. Die Humboldt-Statuen-Kommission, die aus sieben Mitgliedern bestand, teils aus dem Senat der Königlichen Akademie der Künste und teils aus der Regierung, wählte aus den eingesandten Entwürfen die Modelle aus. Der Entwurf von Martin Paul Otto war so überzeugend für die Jury, dass er den Auftrag für die Erstellung des Wilhelm-von-Humboldt-Denkmals direkt erhielt.

Paul Ottos stilistisches Konzept, das die sonst in königlichen und antiken Denkmälern vorkommende sitzende Stellung mit der beinahe leger wirkenden Haltung eines Gelehrten verband, wird durch den beeindruckenden Marmorsockel hervorgehoben. Der Thron, auf welchem der Gelehrte sitzt, sowie der Sockel sind dem zu dieser Zeit häufig vertretenen Neobarock angepasst. Er wurde mit antiken Bildzitaten und Symbolen sowie Reliefs von den Forschungsgebieten Wilhelms verziert. Auf seinem rechten Knie hält Humboldt einen aufgeschlagenen Folianten, zu seinen Füßen liegen Schriftrollen mit Siegeln. Die gleichmäßigen Formen und das ebenmäßige Gesicht Wilhelm von Humboldts zeigen den starken Einfluss des Klassizismus auf Paul Ottos Denkmal. Da Wilhelm von Humboldt zu Lebzeiten klassizistische Künstler förderte, ergänzt dies das von Paul Otto erschaffene Idealbildnis des Gelehrten.

Auf dem linken Relief ist eine weibliche Gestalt als Allegorie für die Philologie (Sprachforschung) zu erkennen. Sie liest einem kleinen Kind vor, wobei sie eine Tafel mit den Namen der antiken Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles in griechischer Schrift hält.

Auf der Rückseite des Sockels ist auf dem Relief eine weibliche Figur zu sehen, die in einem Buch blättert, das von einem Putto getragen wird. Die mit den Symbolen von Staat und Gerechtigkeit (Schwert und Waage) dargestellte Figur verkörpert die Allegorie der Justitia und nimmt somit Bezug auf Humboldts Interesse an Staats- und Rechtswissenschaft.

Das rechte Relief zeigt eine junge Frau, die, auf einem korinthischen Kapitell sitzend, zu einem Putto hinüberschaut, der ihr eine große Büste des römischen Kaisers Aulus Vitellius präsentiert. Die junge Frau verkörpert die Allegorie der Archäologie, ein weiteres Interessensgebiet Wilhelm von Humboldts.

Nachdem die beiden Denkmäler mehrere Restaurierungen über die Jahre hinweg erlebt haben und den Zweiten Weltkrieg geschützt durch Einmauerung überstanden, werden diese seit 1985 zum Schutz vor der kalten Jahreszeit jeden Winter eingehaust, um im Sommer wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Ein paar Meter weiter Richtung Alexanderplatz befindet sich das Denkmal des jüngeren Bruders Alexander von Humboldt.

Quellen

Deutsche Bundesbank 2025
Deutsche Bundesbank Eurosystem: Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen, Stand: Januar 2025.  

Keune 2000
Keune, Angelika: Gelehrtenbildnisse der Humboldt‐Universität zu Berlin. Denkmäler, Büsten, Reliefs, Gedenktafeln, Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Medaillen, Berlin 2000.

Sünderhauf 2010
Sünderhauf, Esther Sophia: Begas. Monumente für das Kaiserreich, Ausstellung zum 100. Todestag von Reinhold Begas (1831 ‐ 1911), Ausst.-Kat. Deutsches Historisches Museum, Dresden 2010. 

Paul Otto, Wilhelm von Humboldt, 1882
Von links nach rechts: Detailansicht Figur seitlich, Detailansicht Figur frontal
Fotos: Barbara Herrenkind