PD. Dr. Lutz Fiedler
Im Rahmen des Seminars werden wir uns dem historisch, politisch und kulturell sich wandelnden Verhältnis zwischen der transterritorialen, nicht-staatlichen Existenz der Juden in der Diaspora und ihrer nationalstaatlichen Souveränität in Israel annähern, um dabei zugleich einen allgemeinen Einblick in die Geschichte und Kultur der jüdischen Bevölkerungen in der Moderne zu gewinnen.
Geraten dabei zuerst die spezifischen Konditionen jüdischen Lebens jenseits des Nationalstaats und ihre unterschiedlichen kulturellen Selbstbeschreibungen in den Blick (als Exil, Galut oder Diaspora), wird damit auch das zionistische Projekt einer nationalen und territorialen Überwindung der Diaspora zum Gegenstand. Davon unabhängig wird jener grundlegende Wandel jüdischer Existenz- und Selbstverständnisse im Gefolge des Holocaust einerseits und der Staatsgründung Israels andererseits diskutiert, insofern er auch konstitutiv für das neue Verhältnis zwischen jüdischem Staat und jüdischer Diaspora in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde. Im Rahmen des Seminars bildet diese sich wandelnde historische und kulturelle Konstellationen zugleich den Hintergrund, um zentrale Texte innerjüdischer Selbstverständigung im 20. Jahrhundert zu diskutieren, in denen Gershom Scholem, David Ben Gurion, Arthur Koestler, Horace Kallen u.a. über das historische, kulturelle und religiöse Verhältnis von Israel und der Diaspora aus religions- und kulturhistorischer, ebenso wie aus politischer Perspektive diskutieren.