Literatura Mondo 1922

Dr. Viola Beckmann

Literatur für ein zerstreutes Volk oder Weltliteratur? Esperantoliteratur und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Sprache und der Gemeinschaft

Seit ihrem Erscheinen 1887 wird in der Plansprache Esperanto gedichtet, erzählt und übersetzt. Ab Oktober 1922 erschien in Budapest Literatura Mondo, die erste Literaturzeitschrift in Esperanto. Im Titel dieser Zeitschrift wird ein transnationaler Literaturbegriff programmatisch, der als Begriff nicht neu ist, jedoch durch die Verwendung einer Nicht-Nationalsprache neu konzeptionalisiert wird.

Die Dissertation analysiert theoretische und essayistische Texte, die zwischen 1922 und 1949 in Literatura Mondo erschienen sind, im Hinblick auf die Frage, inwieweit die Vorstellung einer „Heimat in der Literatur“ als einer genuin jüdischen Vorstellung von unterschiedlichen Autoren mit unterschiedlichen Prämissen adaptiert wird.

Dr. Omer Arad

The path to power : Nietzsche and the myth of the new Jew in modern Hebrew literature (1896-1914)

Ellen Rinner

Die Fackel deutsch-jüdischer Geistigkeit “. Der Einfluss jüdischer Kultur und Kulturtheorie auf die Entwicklung von Aby Warburgs Kulturwissenschaft

Ellen Rinner war Doktorandin am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin Brandenburg und der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitglied der Forschungsgruppe „Bilderverbot und Theorie der Kunst“. Ihre Arbeit wurde mit „summa cum laude“ bewertet.

Der Einfluss des Judentums auf die kulturwissenschaftliche Methode Aby M. Warburgs stellt trotz des ungebrochenen Interesses am Begründer moderner Kultur- und Bildgeschichte nach wie vor ein Forschungsdesiderat dar. Ausgehend von Warburgs Formulierung der „deutsch-jüdischen Geistigkeit“, in deren Tradition er seine Arbeit verortete, untersucht die Dissertation, auf welche Weise jüdische kulturelle Traditionen Eingang in sein Denken und Forschen gefunden haben. Dazu werden die Schriften Warburgs, sein Nachlass und vor allem der Briefwechsel untersucht, um herauszuarbeiten, welchen Niederschlag Warburgs jüdische Sozialisation in seiner wissenschaftlichen Arbeit und der Programmatik der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg gefunden hat. Continue reading „Ellen Rinner“

Argentine Riddle

Alexander Valerius

Dimensionen des Transnationalen im wissenschaftlichen Werk Felix Weils (1898-1975)

Felix Weil, gebürtiger Argentinier aus deutsch-jüdischen Elternhaus, hatte ein erstaunliches Leben. Er war Mitarbeiter und Finanzier des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt und New York, erklärte der Komintern Lateinamerika und in Deutschland stationierten US-Soldaten die Bundesrepublik, beriet die argentinische Regierung und kalifornische Eigenheimbesitzer in Steuerfragen. Vor allem aber war er Autor zahlreicher wirtschafts- und sozialwissenschaflicher Schriften, in denen er sich mit Problemen der Industrialisierung, Planwirtschaft und autoritären Regimen beschäftigte. In ihnen vermittelte er ein Wissen von seinen Heimatländern über deren Grenzen hinweg und  verband kosmopolitisches Engagement mit Erkenntnisgewinn. Das Promotionsprojekt will klären, wie dieses wissenschaftliche Werk durch transnationale Perspektiven konstituiert wird und fragt nach Bezügen zum jüdischen Konzept der Diaspora.

Alexander Valerius war Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung, seine Arbeit wurde mit „summa cum laude“ bewertet.