Dr. Lutz Fiedler (Professurvertretung 2024/25)
Im Zentrum des Kurses steht die Frage danach, welche Auswirkung der Zweite Weltkrieg als Krieg zwischen Alliierten und Achsenmächten auf die europäischen Kolonien genommen und welchen Niederschlag er im postkolonialen Gedächtnis gefunden hat. Ausgehend von den Ereignissen auf dem Kontinent wirft das Seminar einen Blick auf die antikolonialen Bewegungen innerhalb des britischen, französischen und niederländischen Empires und deren Bemühungen, die Kriegsereignisse für die Durchsetzung ihrer eigenen Unabhängigkeitsbestrebungen zu nutzen.
Im ersten Teil des Seminars soll dabei den unterschiedlichen Bedeutungen nachgegangen werden, die der Krieg in verschiedenen räumlichen Kontexten angenommen hat und diskutiert werden, welche historischen Zeiten und Gedächtnislagen in den lokalen Konflikten evoziert wurden. Davon ausgehend wird im zweiten Seminarteil gefragt, in welchem Maße die spezifischen Erfahrungen während des Krieges ebenso Einfluss auf die Entstehung der postkolonialen Theoriebildung genommen, zugleich aber zu einer Umgehung des Bewusstseins vom Holocaust als Zivilisationsbruch beigetragen haben.