Eine erinnerungspolitische Auseinandersetzung mit jüdischen, (post-)migrantischen und ostdeutschen Perspektiven auf die deutsche Vereinigung 1989/1990
Projekttutorium (Link zu Agnes)
Der Mauerfall am 9. November 1989 gilt als signifikantes Ereignis, welches das Ende des Kalten Krieges und der Ost-West-Blockkonfrontation markierte. Darauf folgte ein etwa einjähriger Prozess, bei dem die fünf neuen Bundesländer in die BRD integriert wurden und sich der Staat DDR auflöste. Für viele Menschen stellte dieser Prozess der deutsch-deutschen Vereinigung 1989/1990 eine unmittelbare Bedrohung ihrer Existenz oder Unversehrtheit ihres Lebens dar, denn inmitten der nationalen ‚Vereinigungseuphorie‘ war ein alltäglicher und struktureller Rassismus sowie Antisemitismus spürbar, den all jene erlebten, die nicht zur nationalen Gemeinschaft gezählt oder plötzlich aus ihr aussortiert wurden.
Die Erzählung einer ‚Friedlichen Revolution‘ schließt bis heute die Betroffenen von Gewalt massiv aus und lässt sich vor diesem Hintergrund als nationaler Mythos beschreiben. Auch für ostdeutsche Personen ging die Vereinigung mit Entwertung, Arbeitslosigkeit und biografischen Brüchen einher. In diesem Projekttutorium soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die vielfältigen individuellen Erfahrungen zu einer gemeinsamen Erzählung verbinden lassen, die den biografischen Bezug zum historischen Ereignis des Mauerfalls teilt, ohne die Betroffenen gegeneinander auszuspielen. Mithilfe ausgewählter Theorien aus der Erinnerungsforschung werden wir gemeinsam erarbeiten, wie kollektives Gedenken abseits von Erinnerungskonkurrenz vollzogen werden kann. In einer abschließenden Ausstellung werden die gemeinschaftlich erarbeiteten Erkenntnisse ausgetauscht und in einem kreativen Rahmen präsentiert.
Bitte meldet euch nach Möglichkeit über diese Emailadresse an und erläutert gerne kurz euer spezifisches Interesse am Thema: janine.nesslboeck@hu-berlin.de