Drittmittelprojekte
Wissenstransfer aus der Bienenforschung in die Imkerpraxis
EU-Projekt (2023-2027)
gefördert im Rahmen des GAP-Strategieplanes,
Intervention SP-0206,
aus Mitteln der EU und der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Insbesondere aufgrund ihrer Bestäubungsleistung ist die Honigbiene nicht nur von besonderer ökonomischer, sondern auch von besonderer ökologischer Bedeutung. Immerhin sind Honigbienen seit 12-25 Mio. Jahren fester Bestandteil der Evolution und an der nacheiszeitlichen Wiederbelebung Mitteleuropas wesentlich beteiligt. Zudem weisen Honigbienen Eigenschaften auf, die sie aus der Vielfalt der Bestäuber deutlich herausheben. Hierzu zählen ihr dichtes Haarkleid und ihre Blütenstetigkeit zur effektiven und artspezifischen Pollenübertragung, ihre ganzjährige Verfügbarkeit und große Vielseitigkeit hinsichtlich verschiedenster Blütenformen zur Bestäubung eines möglichst breiten Spektrums an Pflanzenarten, ihre Kommunikationsfähigkeit zum differenzierten Beflug eines geringen oder massenhaften Blütenangebotes und letztlich ihr großer Flugradius von mehreren Kilometern, der sie in Kombination mit ihrer Blütenstetigkeit und guten Pollentransportfähigkeit dazu befähigt, kleinen, verstreuten Pflanzenpopulationen genetische Diversität zu sichern.
Seit dem Mittelalter hat jedoch der Mensch den Lebensraum der Honigbiene ganz massiv verändert und selbige in die Abhängigkeit imkerlicher Betreuung gedrängt. Angesichts des aktuellen Klimawandels, darauf basierenden Veränderungen der Vegetation und veränderter Krankheitsverläufe bis hin zum bewussten oder unbewussten Import neuer Schädlinge, Parasiten und Krankheitserreger bzw. Erregertypen ist heute mehr denn je fundiertes Wissen und Können auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Imkerschaft erforderlich, um Honigbienen nachhaltig zu unterstützen. Hier setzt das vorliegende Projekt an.
Ziel des Projektes ist es, durch Vermittlung von wissenschaftlich fundierten Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Erhöhung der Ökosystemleistung und Biodiversität in verschiedenen Habitaten durch Honigbienen sowie zur Eindämmung von Bienenkrankheiten zur Sicherung der Bestäubung und zum Erhalt der Biodiversität beizutragen. So sollen die Bienenbestände stabilisiert und weiter erhöht werden.
Grundlagen des Wissenstransfers bilden die Ergebnisse der Forschungsprojekte
- Erhöhung der Ökosystemleistung und Biodiversität in verschiedenen Habitaten durch Honigbienen (EU-Projekt 1),
- Eindämmung von Bienenkrankheiten zur Sicherung der Bestäubung und zum Erhalt der Biodiversität (EU-Projekt 2).
Die aus den Forschungsprojekten resultierenden Ergebnisse werden für die Anwender didaktisch gebrochen und in den Kontext bisherigen bienenkundlichen Wissens gestellt, um die praktische Anwendung nicht nur zu ermöglichen, sondern zu forcieren. Für die Vermittlung des so entstehenden anwendungsfähigen Wissens und den Transfer in Können werden verschiedene Methoden und Organisationsformen angewandt. Im Focus des Wissenstransfers stehen die Zielgruppen Anfänger, Fortgeschrittene, Multiplikatoren, Lehrbienenstände, Landwirte, Gärtner, Garten- und Landschaftsbauer, Fachverbände und Behörden.
Weil die in den Projekten 1 und 2 gewonnen Erkenntnisse nicht separat vermittelt werden können, sondern einerseits auf dem vorhergehenden Wissenstand basieren und andererseits nur in der Erweiterung bzw. Vertiefung und ggf. Korrektur des bisherigen Wissenstandes sinnvoll angewendet werden können, stand zunächst die Aufarbeitung des bisherigen Wissensstandes zur Ökosystemleistung von Honigbienen und ihrem Beitrag zur Biodiversität in verschiedenen Habitaten ebenso im Focus wie die Aufarbeitung des Wissensstandes zu Bienen-krankheiten. Dabei konnte auf umfangreiches Wissen und Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten zurückgegriffen werden. Dieses wurde vervollständigt und weiter ausdifferenziert.
Daraufhin konnten elektronische Lehrmedien (hier: Power-Point-Präsentationen) für die Vermittlung von Wissen und Können zur Eindämmung von Bienenkrankheiten sowie zur Vermittlung der Ökosystemleistung von Honigbienen als auch ihres Beitrages zur Sicherung bzw. Erhöhung der Biodiversität weiterentwickelt werden. Zur Vermittlung der Ökosystemleistung der Honigbienen samt ihres Beitrages zur Sicherung bzw. Erhöhung der Biodiversität erfolgte zudem die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung klassischer Lehrmedien. Besonderes Highlight sind hier sicherlich die im Rahmen des Projektes designten Lehrtafeln, die in wetterfester Ausführung von Imkern, Imkervereinen, Landesverbänden und anderen Interessenten für weniger als 100 Euro pro Stück in der Größe 100 x 70 cm vom Hersteller zu beziehen sind und Lehrbienenstände wie Lehrpfade zu einer attraktiven Informationsquelle machen. So lässt sich u.a. die Vielfalt der Bienen mit jener der Wespen anschaulich vergleichen, zumal sie häufig miteinander verwechselt bzw. gleichgestellt werden. Zudem gibt es zahlreiche Tipps zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für Bienen und anderes Getier sowie weiteren grundlegenden Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Bienenvölker – und zwar ganz unabhängig von der jeweils verwendeten Bienenwohnung. Mit den von uns individuell in die Lehrtafeln eingefügten Kontaktdaten erhalten Interessenten leichten Zugang zum regional zuständigen Imkerverein oder Imkerverband.
